Palermo 2

Es geht weiter: Kathrin ist gesund und munter aus Kanada zurückgekommen und Ben frisch und zufrieden aus Borkum. In Dortmund haben wir uns getroffen, schnell unsere Sachen gepackt, die Räder gesattelt und uns auf den Weg gemacht. Zusammen fahren wir nach Sizilien, um dort den Frühling zu erleben, ein wenig italienisch zu lernen, und die Insel zu umradeln.

Nachts (!) um 4:00 Uhr machen wir uns in Dortmund auf den Weg zum Bahnhof …. und es geht wieder los mit dem Abenteuer Bahn und Rad: aufgrund der Umbauarbeiten am Bahnhof müssen wir unsere Räder absatteln und alles die Treppe hochtragen, aber wir erwischen den Zug. Im Zug erfahren wir dann, dass wir in Frankfurt mit Verspätung ankommen werden, Grund dafür ist eine Baustelle. Unser Anschlusszug ist damit weg. Einfach in den nächsten Zug können wir nicht steigen, denn wir brauchen einen reservierten Radstellplatz. Das System der Bahn ist im internationalen Zugverkehr mit den Rädern überfordert. Nach vielem Hin und Her am Schalter mit einem sehr freundlichen aber zunehmend verzweifelten Bahnbeamten, Unterstützung durch drei weitere KollegInnen und vielen Kommentaren zu dem unfähigen Buchungssystem in einem angeblich zusammenwachsenden Europa, kommt es zu folgender „Lösung“: wir müssen eine komplett neue Fahrkarte kaufen, die Räder alleine umbuchen geht nicht. Angeblich sollen wir das Geld zurück bekommen. (Nur soviel dazu: wir stehen in regem Mail-Verkehr mit der Bahn und es gestaltet sich sehr kompliziert.) Mit viel Unterstützung und Einsatz der italienischen Bahnmitarbeiter kommen wir am Abend noch passend in Genua an und erwischen die Fähre nach Palermo. Klappt alles, wir lassen nur ein wenig Nerven…..

Palermo liegt zwischen dem Meer auf der einen Seite und den Bergen auf der anderen. Dazwischen drängt sich alles. Es ist laut, schmutzig, chaotisch, herausfordernd, bedrängend, hässlich, kaputt und gleichzeitig fröhlich, charmant, einladend, bezaubernd und entspannt. Es gibt sehr viele Gebäude, die kaputt sind und aussehen wie Ruinen. Manchmal stimmt das und es sind tatsächlich Ruinen, bröckelnde Gesteine, die vielleicht noch von einem ebenfalls bröckelnden Baugerüst zusammengehalten werden. Aber oft trügt der Schein und das, was aussieht wie eine Ruine, ist hinter der Fassade ein bewohntes Haus, oder ein Palazzo. Manche Eingänge sind riesige Tore, die mit einem kleinen Einlasstürchen versehen sind. Manchmal können wir einen Blick in die oft riesigen Eingangshallen erhaschen, wenn ein Türchen aufgeht und der Roller oder Kinderwagen nach draußen geschoben wird. Die Stadt ist übervoll von alten Palazzi in den unterschiedlichsten Stadien der Verwesung und der Wiederbelebung.

Die Straßen sind eng, oft nur kleine Gassen und Fußwege. Autos haben hier nur an wenigen Stellen Platz, meist sind es Roller, die durch die Gassen fegen. Gut ist es, sich in einen Türbogen zu schieben, wenn sie durch die kleinen Gassen sausen, denn nicht immer reicht der Platz für Rollerfahrer und Fußgänger. Allerdings wird man so gut wie nie bedrängt: Verkehr ist hier ein blitzschnelles Ausloten von Chancen und Rücksichtnahme. Dort, wo auch noch Autos fahren, ist es noch lauter und stinkend. Alle drängeln sich nebeneinander, durcheinander und wenn sie könnten wohl auch übereinander. Geblinkt wird nur, wenn man sein Auto ins absolute Halteverbot stellt und weggeht. Ansonsten achten alle darauf, wer in welche Richtung zuckt. Wer zu langsam ist, hat seine Lücke verloren und hängt hinter einem Bus, oder kommt auch sonst nicht vom Fleck.

Wir haben ein kleines Apartment in der Altstadt gemietet und können auf der Dachterasse in der Sonne sitzen. Von unserem Platz aus können wir die Berge sehen und die Glocken hören. Zu jeder Stunde und halben Stunde bimmelt irgendeine Glocke von irgendwo, denn Palermo besteht zur Hälfte aus Kirchen. Zumindest kommt es uns so vor.

3 Kommentare zu „Palermo 2

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