Sardinien 1

Mit der Fähre lassen wir uns von Napoli nach Cagliari schippern. Sehr bequem: wir rollen am Abend auf die Fähre und am Morgen kommen wir in Cagliari, der größten Stadt Sardiniens, an. Als wir von der Fähre runterrollen wollen, wird uns bedeutet, dass wir nicht einfach so das Hafengelände verlassen können. Als Fahrradfahrer müssen wir, wie auch die Fußgänger, den Bus nehmen. Die Logik erschließt sich uns nicht, vielleicht, so denken wir, ist das Hafengelände so groß und unübersichtlich? Da der erste Bus mit Fußgängern voll ist, warten wir auf den nächsten. Als er ankommt, schieben wir unsere beiden Räder hinein, noch ein weiterer Fahrradfahrer ist dabei und der Bus damit voll. Dann fahren wir 120 Meter (!), steigen reichlich perplex aus, dürfen das Hafengelände verlassen und haben somit den italienischen Vorschriften Genüge getan.

Noch haben wir keine Ahnung, wie es weitergehen soll, erst mal in eine Bar für Cafè und Dolci. In der nahegelegenen Buchhandlung decken wir uns mit Karten und Reiseführer ein und beginnen zu planen. Wir haben drei Tage Zeit, dann müssen wir wieder in Cagliari sein, denn zwei unserer Kinder kommen uns mit Freunden besuchen. Wir beschließen, bis dahin in die südwestliche Ecke der Insel zu fahren. Rauf aufs Rad und raus aus der Stadt. Leider ist das nicht so leicht: es gibt Autobahnen und Schnellstraßen, die aus der Stadt hinausführen, allerdings sind diese Straßen für Autos und nicht für uns. Eine kleine Straße, die alle unsere Navigationssysteme anzeigen und die für Fahrräder geeignet ist, ist gesperrt! Ein Tor mit einer dicken Kette lässt da keine Missverständnisse aufkommen. So müssen wir für eine Strecke von 12 km einen „Umweg“ von 50 km fahren. Na toll!

Zugegeben, der erste Empfang und der erste Eindruck sind nicht so schön, aber es wird besser. Nachdem wir die Petrochemie, die im Umland der Stadt angesiedelt ist, hinter uns gelassen haben, öffnen sich grandiose Aussichten. Kleine Strände, die auch in dem nasskalten Wetter, das wir gerade haben, wunderschön wirken. Im Hintergrund die Berge, und hin und wieder blitzt dann doch die Sonne durch. Wir sehen kaum Müll herumliegen und freuen uns, denn endlich einmal können wir wieder eine richtig schöne Pause am Wegesrand machen. Einfach anhalten und die Aussicht genießen, ohne erst Berge von Müll zu umrunden und gedanklich zu ignorieren.

Drei Tage lang umrunden wir den Zipfel im Südwesten der Insel und freuen uns an den Aussichten und Stränden. Immer wieder treffen wir auf SardInnen, die uns mit Begeisterung von den Aussichten an der Küste ihrer Insel vorschwärmen. Wir finden: Recht haben sie! Es ist wunderschön, auch wenn es so kalt und windig ist, dass wir die Strände mit dicker Jacke und Mütze lieber genießen als mit Strandtuch und Badehose.

Wir landen in einem Ort namens Carbonia. Er wurde gebaut, um den Bergarbeitern in den nahegelegenen Minen eine Heimat zu geben. Das kennen wir, in unserer Heimatstadt Dortmund war das auch so und es sieht an manchen Ecken so ähnlich aus. Wir freuen uns, den alten Förderturm zu sehen und schlendern über das alte Bergwerksgelände, das sehr einladend in der Sonne daliegt. Hier, wie in Dortmund, gibt es keinen Bergbau mehr.

Auf dem Weg nach Iglesias, unserem nächsten Halt, kommen wir an großen roten Bergen vorbei, die künstlich aussehen, aber so sicher sind wir nicht. Mit der intensiven Farbe sieht das gegen den Himmel sehr imposant aus, aber was ist das? Ben findet heraus, dass es die Abraumschlacke der ehemaligen Bleimine ist. Großartig vergiftetes Zeug, das in der Gegend rumliegt und den Boden verseucht. Auf einmal ist es nicht mehr so imposant.

Nach drei Tagen wollen wir wieder nach Cagliari zurück, denn wir treffen unsere Jungs, die mit dem Flieger dorthin kommen. Gemeinsam haben wir ein verlängertes Wochenende. Wir freuen uns riesig!! Damit wir passend in Cagliari ankommen, haben wir uns das sehr schön zurecht gelegt: wir übernachten in Iglesias (Stadt an der Westseite der Insel) und nehmen von dort den Zug, quer durchs Inland zurück nach Cagliari. Es gibt eine Zugverbindung, die stündlich fährt und laut der Auskunft im Netz auch die Räder mitnimmt. Also rollen wir am Morgen ganz entspannt zum Bahnhof, um die Tickets zu kaufen. Es ist kalt, windet und hagelt und wir finden die Aussicht, mit dem Zug zu fahren, sehr verlockend. Am Bahnhof erzählt uns eine Frau, dass in dieser Woche gar keine Züge fahren, da der Bahnhof umgebaut wird! Nicht ein Zug! Nix, „Bella Sardegna“ meint die freundliche Frau, nicht ohne Ironie! Es gibt eine Busverbindung in vier Stunden, aber ob der Bus die Räder mitnimmt? Eine Auskunft kriegen wir nicht, da das Büro auf Anrufe nicht reagiert…. Was nun? Um 16:00 wollen wir in Cagliari sein. Der Hagel hat aufgehört, es ist kalt, aber die Sonne ist zu sehen und für die nächste Stunde soll es so bleiben. Regen, Hagel und Wind sollen laut Wettervorhersage erst in einer Stunde wiederkommen, dann aber immerhin von hinten. Okay, wir haben Räder, also schwingen wir uns drauf und sausen los. Einmal quer durch die Insel genießen wir die Aussicht, immer wieder schauen wir uns um. Wer ist schneller, wir oder das Wetter? Hinter uns schieben sich dicke Wolken zusammen und es donnert. Das Wetter ist schneller, Hagel und Regen holen uns ein, aber eben auch ein ordentlicher Wind, der uns schiebt. Gibt es eine Anschubenergie durch auftreffende Hagelkörner? Wir schaffen es und kommen froh und munter, ein wenig kalt und nass, in der Wohnung in Cagliari an.

Jetzt freuen wir uns auf das Eintreffen der Ragazzi. 4 Jungs mit Hunger, da fangen wir besser schnell mit dem Kochen an. Wir gehen mit Lust zum Einkauf und schleppen große Mengen an. Das ist mal was anderes als sonst, wo wir immer auf Gewicht und Platz achten müssen. Sechs, statt der sonst üblichen einen Zwiebel! Wir geraten ein wenig in einen Kaufrausch.

3 Kommentare zu „Sardinien 1

  1. Dass ihr seit gefühlt ewigen Zeiten mit Rädern unterwegs seid – geschenkt! Es jetzt aber mit Meteophänomenen aufzunehmen und dem schlechten Wetter einfach wegradeln zu wollen, ist dreist! Aber wohl auch kein Problem für euch! Sardinien ist traumhaft schön, wir waren mal in den Osterferien an der Costa Smeralda mit unglaublich blühenden Mimosenbäumen!!
    Weeiiiteeer – aber
    igSaR

    Gefällt 1 Person

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