Kaunas und Riga

Helmuts und Andris (beide haben wir auf unsere langen Reise in Riga kennengelernt) wollen wir gerne wieder treffen. Wir fragen an, wann und wie das möglich ist: wir sollen nach Riga kommen! Denn dort findet derzeit das Sängerfest statt. Das geschieht nur alle fünf Jahre und dann ist die Hälfte der Bevölkerung mit Singen und Tanzen beschäftigt, die andere Hälfte arbeitet, so die Aussage von den beiden. (Die Bevölkerung des ganzen Landes ist gemeint, nicht die der Stadt). Also auf nach Riga und hinein ins Gesangsfestivalgetümmel. Mit den Rädern ist uns das allerdings zu weit und auch zu weit ab von unserer Route. Also geht es erst nach Kaunas. Und von dort mit dem Bus nach Riga und wieder zurück.

Kaunas überrascht uns. Wir haben keine großen Erwartungen an die Stadt und landen dann in einer hübschen, mittelalterlich geprägten Szenerie, die aber auch mit modernen Dingen aufwarten will und kann. Besonders gut gefällt uns die StreetArt, die gefühlt an jeder Ecke zu finden ist.

Einen Tag haben wir uns Zeit für Kaunas genommen, um die Stadt zu erkunden, aber auch um einen Platz für unsere Räder zu finden, die wir nicht im Bus mitnehmen können und wollen. Schon vor einigen Tagen haben wir über diverse Apps und Informationsdienste versucht, etwas zu finden, allerdings bislang ohne Erfolg. Wir versuchen es mal bei der Gepäckaufbewahrung am Busbahnhof und siehe da: überhaupt kein Problem. Selbstverständlich können wir die Räder mit den restlichen Taschen abgeben und natürlich können sie mehr als 24 Stunden da bleiben und natürlich gibt es Platz dafür. Warum wir denn so komische Dinge fragen? Nun, in anderen Ländern ist das nicht immer so einfach. Hier aber schon und so bleiben unsere Räder hier und warten auf uns, während wir uns drei Tage in Riga rumtreiben.

In Riga angekommen, fühlen wir uns ein bisschen wie zu Hause und stromern durch die Stadt und entdecken bekannte Dinge. Kathrin trifft Kollegin Marion aus Bochum, die ebenfalls in Riga ist.

Das Sängerfest mit Helmuts und Andris ist ein Traum. Alle 5 Jahre kommen für 10 Tage Letten aus dem ganzen Land und der ganzen Welt nach Riga, um zu singen, zu tanzen und zu feiern. Bei Helmuts können wir wohnen, er singt im Riesenchor mit und ist die ganze Zeit unterwegs, um zu proben, Andris macht den Fremdenführer, empfiehlt, wo wir hingehen sollen, liefert Hintergrundinformationen und kommt mit zum Konzert, für das uns Helmuts Karten besorgt hat. Es ist am Mittwochabend, ein emotional nicht so bedeutsames Konzert, wie das Abschlusskonzert am Sonntag. Daher gibt es auch noch Karten. Die Karten für das Konzert am Sonntag sind schon lange weg und werden ebenso heiß gehandelt wie bei uns die Karten für ein Pokalendspiel in Berlin. Aber die Atmosphäre ist gleich gut und besonders versichern uns die Beiden.

Schon auf der Hinfahrt zum Konzert,in der vollgestopften Bahn, wird gesungen. Viele Menschen tragen die farbenfrohen Trachten und haben dicke Blütenkränze auf dem Kopf. Dann beginnt das Konzert in dem eigens dafür gebauten Platz für 17.000 Sänger:innen. Bei jedem Lied wird der Dirigent:in gewechselt und jeweils mit großem Applaus (von den 17.000 Sänger:innen und dem Publikum) verabschiedet und willkommen geheißen. Die Dirigent:innen stehen auf einem Gerüst gut 8m hoch, damit sie gut gesehen werden. Wir fragen uns, wie das geht, dass eine Person so viele Menschen dirigiert, aber es klappt tadellos! Es werden alte und neue Lieder gesungen, Andris, der uns zu dem Konzert begleitet, kennt fast alle Texte. Die Stimmung ist festlich und zufrieden, es wird nicht herumgerannt, laut geredet, gegessen oder getrunken und das, obwohl die Atmosphäre an Picknick erinnert. Wir sind hin und weg. So eine besondere Stimmung mit so vielen Menschen haben wir noch nicht erlebt.

Von Andris und Helmuts erfahren wir, dass viele Menschen kurz vor dem Fest noch extra in einen Chor oder eine Tanzgruppe eintreten. Helmuts ist extra in den Juristenchor eingetreten, damit er mitsingen kann. Aus allen Ländern reisen Lett:innen an um z. B. als „Lettischer Chor aus Belgien“ mitzumachen. Wo schon mal alle da sind, werden dann auch noch Konferenzen und Wirtschaftstreffen abgehalten. Ganz schön praktisch.

Ziemlich glücklich, dass wir das miterleben durften, fahren wir wieder zu unseren Rädern nach Kaunas und von dort weiter Richtung Polen.

4 Kommentare zu „Kaunas und Riga

  1. Bei euren Berichten fällt eines immer ins Auge. Musik wie ihr sie macht hat was verbindendes. Wirklich beeindruckend. Darauf bin ich wirklich neidisch. Gute Reise

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  2. Das klingt soooo toll. Und dass ihr es mit Locals zusammen erleben konntet, ist auch ganz Besonders. Da wäre ich auch gerne mal dabei. Gibt es etwas Ähnliches auch anderswo?

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    1. Ja, so etwas gibt es auch in Tallin und in Vilnius. Aber auch immer mit ein paar Jahren Abstand, deshalb habe wir auch diesen Umweg gemacht, weil es in Riga das nächste Mal erst 2028 stattfindet.

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