Litauen 1

Nach Lettland landen wir in Litauen. Zunächst unterscheiden sich die beiden Länder nicht so sehr in unseren Augen. Wir können beide Sprachen nicht. Im Litauischen gibt es an manchen Buchstaben noch lustige Haken und Krakel, die uns nichts sagen und die es unmöglich machen, eine klangliche Vorstellung von einem geschriebenen Wort zu bekommen. Mit Englisch kommt man hier aber auch sehr weit. Die Landschaft ist weit und flach.

Nun geht uns um Kaliningrad herum ins Landesinnere. Abseits des Ostseestrandes sind Zeltplätze nur vereinzelt zu finden. Wir versuchen, mit Karten und diversen digitalen Helferlein einen Ort für die Nacht zu entdecken. So führt uns die Campingplatzsuche nach Smalininkai. Auf dem Weg dorthin werden wir von einem heftigen Gewitter eingeholt. Es schüttet auf uns herunter, die Straße ist sofort unter Wasser und es blitzt und donnert gleichzeitig. Weiterradeln ist hier nicht angesagt. Wir stellen uns zunächst neben die Straße in die Nähe der Bäume, um nicht auf der Straße vom Blitz getroffen zu werden. Blitze und Donner wechseln sich ohne Pause ab. Dann beginnt es auch noch zu hageln, kirschgroße Hagelgeschosse sausen auf uns nieder. Es ist wirklich gut, dass wir die Helme aufhaben, das würde sonst sehr weh tun! Kurz zuvor sind wir doch an einer Picknickhütte vorbeigefahren? Schnell zurück und dort Zuflucht suchen. Wir stellen uns in der Hütte unter, auch die Räder können mit rein und wir trocknen uns notdürftig. Jetzt gibt es erst mal Tee, bis das Unwetter vorbei ist.

Endlich hört das Gewitter auf und das Wetter tut so, als sei nie etwas gewesen, die Sonne scheint und wir machen uns auf den Weg zum Campingplatz. Unterwegs kommen wir an einem Baum vorbei, in den der Blitz kurz zuvor eingeschlagen hat. Auf der Straße liegen im Umkreis von 20 Metern Rindenstücke und Holzbrocken. Der Stamm hat eine dicke Schneise, die von oben nach unten führt. Wir sind sehr froh, dass wir nicht in der Nähe waren, als das passierte!

Und dann sind wir endlich am Campingplatz. Naja, die App sagt wir wären da, es sieht allerdings nicht so aus. Hier ist ein Museum für alte Dinge. Auf dem Gelände stehen alte Trekker, Autos, Mähmaschinen. Aber es gibt eine Nummer, die man anrufen kann. Dort bittet man uns 10 Minuten zu warten, dann käme jemand „to deal with the problem“. Es kommt ein freundlicher Herr, der uns gerne das ganze Museum zeigt: noch mehr gesammelte Gegenstände von Körben, über Nähmaschinen, Motorräder, Bücher, Webstühle, Bügeleisen, Telefone, Abhöranlagen (wir sind im Grenzgebiet zu Russland), Pabstbilder und und und. Wir erfahren, dass der eigentliche Museumsbesitzer und Initiator dieser unglaublichen Sammlung vor drei Monaten gestorben ist und dass Justino sich nun alleine um Alles kümmert. Wir bewundern und staunen gebührend. Dann bietet er uns an, auf dem Gelände zu übernachten. Wir bekommen Honig (er ist Imker), frische Erbsen (aus seinem Garten) und einen Platz in einem Schuppen angeboten, um dort zu schlafen. Strom legt er uns auch noch schnell, damit das E-bike geladen werden kann und Wasser gibt es aus dem Ziehbrunnen. Toilette? Das Gelände ist groß… Und so sind wir schließlich Nachts allein im Museum. Alles bleibt ruhig und friedlich und am nächsten Morgen können wir uns mit einer Polka aus dem Münsterland von Justino verabschieden, was er sofort filmt. Wir machen uns auf den Weg, er macht sich auf zu seinen Bienenfamilien.

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3 Kommentare zu „Litauen 1

  1. Mit einer litauischen Schwiegertochter in unserer Familie, wussten wir schon, was das für sympathische Menschen sind. Irgendwann kommen wir da vielleicht auch mal hin. Weiterhin gute Fahrt!

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  2. Mir würde bei der Gewitterstory auch ganz schön mulmig, habe gedanklich mit Euch unterm Baum gestanden. Wünsche Euch weiterhin tolle Erlebnisse und eine gute Zeit

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