Danzig und Dreistadt

Auf dem Weg nach Danzig kommen wir erst durch Felder und viel Wald, dann wird es zusehends voller, hier sind lauter kleine Ortschaften, die vom Tourismus leben. Ein Lädchen mit Sonnencreme und Schwimmreifen reiht sich an das nächste, dazwischen Fischbuden, Radverleih, Minikirmes mit Hüpfburgpark und Eiswagen. Ab und an auch eine Schleuse oder ein bisschen Petrochemie. Es sieht immer mehr nach Stadt aus, es gibt Radwege und der Autoverkehr nimmt zu. Wir biegen rechts ab durch ein Tor und sind in einer anderen Welt. Mitten im Menschengewimmel auf einer Straße gesäumt von hanseatischen Gieblen und Fassaden. Völlig irre dieser Wechsel. So muss das wohl auch im Mittelalter gewesen sein, wenn man durch das Stadttor kam.

Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit der Erkundung von Danzig. Eine tolle Stadt mit vielen spannenden Ecken und einer sehr wilden Geschichte. Immer wieder andere Herrscher, dazwischen Unabhängigkeit, als wichtige Hansestadt auch viel Multikulti. Hier war ein wichtiger Standort bei der Unabhängigkeit Polens von der Sowjetunion im Zuge der Solidarność-Bewegung. Wir erkunden Danzig gemeinsam mit Thomas, den wir bei der Stadtführung kennen gelernt haben. Eigentlich will er immer zu seinem Zeltplatz, aber dann ist es noch so nett zusammen.

Bei der Stadtführung erfahren wir auch vom gerade stattfindenden Carillon-Festival. Das sind die Glockenspieler, die an Kirchtürmen diese Spiele betätigen. Das lassen wir uns nicht entgehen und sitzen so am Abend in einem kleinen Platz auf dem eine Leinwand aufgebaut ist. So sind die Glocken nicht nur zu hören, sondern man kann auch sehen wie gespielt wird. Als das beendet ist finden wir Drei noch eine Bar, in der nur ein Getränk verkauft wird, ein Kirsch-Schnaps…. Jetzt muss Thomas sich aber beeilen, sonst ist sein letzter Bus weg. Wir haben die Räder und rollen zu unserem Nachtlager.

Nach zwei Tagen ist das Wetter nicht mehr ganz so heiß und wir können wieder auf die Räder, ohne einen Sonnenstich zu riskieren. Es geht direkt an die Küste, man braucht nur den Menschenströmen zu folgen, denn am Wochenende und in den Ferien zieht es die Menschen an den Strand. Alles ist hier voll mit Menschen, Buden, Schwimmtieren, Eisständen, s.o.. Okay, der Radweg ist super ausgebaut, wir könnten darauf entlangbrausen, mit hunderten von anderen Menschen wird es dann aber etwas langsamer. Nahtlos geht es von Danzig über in die Kurstadt Sopot und dann nach Gdynia, die drei Orte formen die sogenannte Dreistadt, eine Gebiet mit über einer Million Einwohnern. Gefühlt sind gerade alle am Strand oder auf den Weg dorthin. Kathrin mault ordentlich rum und meint, wenn das so weitergehe sitze sie in zwei Tagen im Zug auf dem Weg nach Hause. Kaum gesagt, leert es sich und der Wald wird wieder sichtbar. Dafür muss das Rad jetzt die Treppe hoch… .

6 Kommentare zu „Danzig und Dreistadt

  1. Tolle Stadt-ich bin beeindruckt. Mein Nachbar Stefan hat ein neues Mountainbike, welches eine Schiebehilfe besitzt. Hat dein (Ben) Rad sich so etwas?

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    1. Ja, meine Gazelle grabeinfassung Schiebehilfe, aber mir Gepäck hilft/schiebt da nicht viel. Meine wirkliche Schiebehilfe in solchen Fällen heißt Kathrin!

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  2. Was für schöne Fotos! Da möchte man sich gleich auf machen, diese schöne Stadt auch zu erkunden. Was ist das für ein Denkmal mit der Menschengruppe und den Namen der deutschen Städte, Vertriebene?

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      1. Achso ja, darüber gibt es einen sehr guten Film. Sie wurden nach Windermere im Lake District gebracht und von dort in Pflegefamilien vermittelt.

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