Lichtblick

Da lang!

Wir haben die Nacht erstaunlich gut überstanden indem wir einfach in der Gemeinschaftsküche des Campingplatzes geblieben sind. Es war hart und nicht sehr kuschelig, aber dafür warm. Ben hat auf dem Boden geschlafen, Kathrin auf der Bank. Da die Finnen ein sehr gesittetes Völkchen sind, kommt auch keiner in der Nacht in die Küche und kocht oder feiert eine Party. Nachts wird geschlafen! Und somit können auch wir ganz ruhig und entspannt dort liegen.

Mit unseren Ängsten und Vorbehalten haben wir uns immer schön abgewechselt, erst hat Kathrin den Vorschlag gemacht, einfach in der Küche zu bleiben dann aber Muffensausen bekommen. Ben war zuerst nicht sicher, aber dann überzeugt, dass dies die einzige Option für die Nacht ist. Am Ende haben wir einen Finnen gefragt ob das wohl in Ordnung wäre und er hat sehr finnisch geantwortet, nämlich, dass das ja absolut zu verstehen wäre und Keiner etwas dagegen haben könne. Damit konnten wir beide uns dann gut zur Ruhe begeben.

Schlafplatz „de Luxe“

Nach dem obligatorischen Frühstück haben wir uns auf den Weg gemacht um in den nächsten Ort zu fahren, der eine freie Unterkunft in unserer Richtung anbietet. 97 km! Und das Wetter ist nicht besser geworden….

Ben fragt Kathrin vorsichtig: „Alles klar?“ Kathrin meint: „Muss ja.“ Und Ben antwortet auf die gleiche Frage ebenso. Damit ist geklärt, dass wir uns auf den Weg nach Suomussalmi machen, es keine Alternative gibt und wir in Kauf nehmen was dann eben so passieren wird. Kathrin bucht noch schnell ein Hotelzimmer bevor es weg ist und wir fahren los.

Nach 30 km im Regen sind wir schon ziemlich nass, die Regensachen sind eben nicht auf einen Dauerbeschuss ausgelegt. Aber laut Reiseführer kommt ein Laden mit Café. Wir sehen den Laden und freuen uns auf eine Pause im Trockenen, aber weit gefehlt, das Ding ist geschlossen. Bevor wir aber so richtig enttäuscht sein können taucht zwei Kurven weiter ein kleiner Laden auf und im Fenster sieht man zwei Frauen sitzen, die ihren Kaffee trinken. Das wollen wir auch! Also rein, nachdem wir einen Großteil unserer Sachen im Vorraum ausziehen um nicht den Laden zu fluten. Es gibt nur einen einzigen Tisch, aber die beiden Damen haben Mitleid, sie räumen das Feld. Hurra!

Wir kriegen Kaffee und süße Teilchen, kaufen das Notwendigste ein (Reis, Schokoriegel, Bier, Plastiktüten), weil man nie weiß, wie weit man kommt und schauen dem Regen beim Pladdern zu. Eine Finnin, Sanna, gesellt sich zu uns. Sie wohnt in der Nähe und wartet auf Milch, die ist noch nicht geliefert wurde und so setzt sie sich zu uns und wir plaudern angeregt über Gott in Finnland und die Welt. Die Milch kommt, wir schmeißen uns in unsere immer noch nassen Sachen und gehen.

Vor dem Laden steht ein ausgewanderter Deutscher, der uns sogleich mit seiner Geschichte überfällt. Er wohnt seit einem Jahr in Finnland. Nachdem wegen Corona seine Freundin ihr Tatoo-Studio nicht betreiben konnte haben die beiden kurzerhand alles zusammengepackt und sind mit Kind und Kegel nach Finnland ausgewandert. Er schlägt sich durch und fängt jetzt als gelernter Straßenbauer Forellen mit der Baggerschaufel für einen Fischbetrieb. Wir sind ganz schön beeindruckt von solchem Mut alles aufzugeben und loszulegen.

Und dann fahren wir wieder durch den….? Richtig: REGEN. Weil wir so schöne und liebenswerte Sachen erleben und weil es Kaffee gab, gehen die nächsten Kilometer recht locker unter den Reifen weg, aber irgendwann sind auch die zweiten Paar Handschuhe durchnässt (obwohl Ben jetzt noch Plastiktüten darüber trägt), Kathrin ist durchnässt bis auf die Haut und versucht bei km 70 etwas Trockenes anzuziehen, was sich im strömenden Regen als ein komplett idiotisches Unterfangen erweist. Aber was muss, das muss. Es gibt auch gar keine Alternative als Weiterfahren. Wir sind schon zu weit um umzudrehen und so geht es weiter.

Und irgendwann wird der Regen weniger, ein Hauch von „nicht Wolke“ lässt sich erahnen und die Kilometerangaben nach Suomussalmi (die Stadt mit dem trockenen und bereits gebuchten Zimmer) schrumpfen. Wir kommen an!

Jetzt sitzen wir, nach einem erlebnisreichen Tag, in unserem Zimmer, waren gerade in der Sauna und werden gleich in einen sehr tiefen Schlaf fallen.

Danke für eure Kommentare und Wünsche! Das spornt an, wenn wir den nächsten Berg vor und den Regen in den Augen haben. Wir freuen uns sehr, dass ihr so mitfiebert!

13 Kommentare zu „Lichtblick

  1. Jetzt wird mir langsam doch etwas mulmig, ihr zwei , und ich bin fast so weit, den Versuch zu starten, den Regengott zu bestechen, muss nur noch recherchieren, wie.
    Ihr seid zwei wunderbar neugierige, sauwillensstarke Menschenkinder‼️

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  2. Großartig. Damit habt ihr Held*Innenstaus erreicht. Und noch viele Jahre später wird diese Regenfahrt Gesprächsthema sein. Einen kleinen Vorteil hatte die Regenradltour bestimmt gehabt – keine Belästigung durch Mücken
    Schlaft wohl und habt ein paar regenfreie Tage. Eddi und Wibke

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  3. Nabend, HeldInnen der Tretkurbel!

    „Zen, oder die Kunst unbeeindruckt ein Fahhrad im strömenden Regen durch den A… der Welt zu fahren“ … falls ihr noch einen Buchtitel sucht 😉
    Nachdem ich auf meinen 75KM durch’s Möhnetal letzten Sonntag EXAKT und mit VIEL Glück an den beiden fetten Regenschauern vorbei geradelt bin, empfinde ich tiefes Mitgefühl für euch bei dieser Regen-Etappe!
    Und morgen scheint entweder die Sonne, oder die Erkenntnis, dass man irgendwann einfach nicht mehr nasser werden kann, bringt euch durch Wind und Wetter.

    Ride on!

    Mit ehrfürchtig tief gezogenem Hut grüßen

    Kirsten & Jens

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  4. Wenn das mit dem Regen so weiter geht, ist es evtl besser, ich wünsche euch nicht genug Speichen am Rad sondern feste Planken unterm Rad!
    Ist aber schon interessant, wie ihr dann doch immer wieder trockene Plätze findet! Bonne Chance! ( kann ich nicht auf finnisch)
    …uigSaR

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  5. Hallo nach Finnland 👋🏻
    Jetzt kommt definitiv die ☀️ ins Spiel !
    Ich wünsche euch weiterhin so gute Nerven und großartige Erlebnisse !
    Beste Grüße aus Dortmund !
    Bettina ….und Thomas der gerade durch’s Wendtland wandert !

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  6. Hallihallo nach Finnland,
    meine Güte!! Fast 100 km Fahrt im Dauerregen – und Nässe bis auf die Haut! Klasse, dass ihr euer Abenteuer so großartig meistert und irgendwie immer bei Laune bleibt! In den Zimtschnecken ist bestimmt irgendwas drin … 😉 Ich fieber am Schreibtisch mit, wo es als nächstes hingeht und was ihr als nächstes erlebt … bin begeistert über eure so ausführlichen und toll geschriebenen Berichte! Ganz liebe Grüße aus Dortmund von Angelika

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  7. Du meine Güte, ihr Lieben- wettermäßig kann es ja wirklich nur besser werden… Die Feuertaufe für eure Tour habt ihr jedenfalls schon längst bestanden! Der Abenteuerfaktor ist so hoch, dass ich immer gespannt auf Neuigkeiten von euch warte!!! Haltet durch und lasst schnell wieder von euch hören!!!!!

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