Hiiumaa und Saaremaa

Nein, das sind keine Gestalten aus den Mythen Estlands. Das sind zwei Inseln, die in der Ostsee liegen und auf denen wir gerade herumfahren.

Eigentlich wollen wir uns vor der Überfahrt in Happsaluu (Hafenstadt am Festland) umschauen. Einladend erscheint die Stadt auf den ersten Blick nicht und auch der örtliche Campingplatz lädt nicht zum Verweilen ein. Also wird schnell der Fahrplan der Fähre gecheckt: wenn wir in die Pedale treten erwischen wir noch eine …. Gesagt getan, wir erwischen die Fähre und genießen eine wunderbare Überfahrt nach Hiiumaa mit Sonne, Wasserglitzern und sehr gutem Kaffee. Da es schon spät ist und wir nicht mehr bis zum nächsten Campingplatz kommen werden, buchen wir ein Hotelzimmer am Hafen.

Es ist bloß Niemand da um uns einzulassen. Eigentlich ist da außer uns überhaupt kein Mensch. Wir rufen bei der aushängenden Telefonnummer an und irgendwann kommt eine Dame, die uns den Zimmerschlüssel aushändigt. Die Räder können wir in das Hafengebäude stellen.

Bar und das Restaurant haben geschlossen (und werden bis Mai nächsten Jahres wohl auch nicht mehr aufmachen, die Nebensaison hat begonnen) und so kochen wir mit unserem Sturmkocher auf dem Zimmer. Das geht prima, bis auf die Tatsache, dass das Wasser aus dem Hahn nach faulen Eiern riecht … gesundheitlich unbedenklich, im Gegenteil, alles ist hier besonders heilkräftig. Aber mit dem Gestank braucht es schon Überwindung damit zu kochen, geschweige denn das pur zu trinken. Wir erklären uns für total gesund und greifen zu Bier, das wir noch in der Tasche haben.

Am Tag drauf beginnen wir die Insel zu umrunden. Die Sonne scheint und es weht ein schneidiger Wind. Der Herbst beginnt! Wir müssen uns trotz Sonnenschein schön einpacken…. Die Insel ist ein Traum, fast wie eine Puppenstube. Alles ist ordentlich und aufgeräumt. Immer wieder blitzt das Meer durch die Bäume.

Uns begegnet ein großer, gelber Bus, der ein wenig anders aussieht… was ist das? Ein Supermarktbus! Total genial, mit Kühltheke und allem, was man so braucht. Wir kaufen auch etwas ein, schon weil es so lustig ist. Was wohl?: Zimtschnecken, die es zu Kathrins Freude auch in Estland als Grundnahrungsmittel gibt.

Jede Menge Leuchttürme stehen rum, die man auch erklimmen kann. Das macht Kathrin gern und sieht Meer und Wald. Die gesamte Insel besteht fast nur aus Wald.

Im Wald versteckt sind noch einige Reste der sowjetischen Besatzungszeit: Bunkeranlagen, Panzer, Wachhäuser und sonstiges. Uns gefällt der Pragmatismus der hier herrscht. Neben irgendein rostendes Überbleibsel wird ein Museumszeichen gestellt. Fertig!

Um von Hiumaa nach Saaremaa zu kommen, benötigen wir wieder eine Fähre. Als wir am Hafen ankommen ist sie weg. Diesmal haben wir nicht vorher gecheckt, wann die Fähre zur Nachbarinsel übersetzt. Sie fährt nur zweimal am Tag und wir müssen uns eine Übernachtungsstelle suchen, um am Morgen die erste Fähre zu erwischen.

Früh stehen wir auf und rollen auf das kleine Boot. Mit uns ein Haufen Kinder: Schulausflug! Das fühlt sich witzig vertraut und normal an. Wir sind sehr froh, dass wir uns nicht kümmern müssen und auch ein wenig neidisch auf die KollegInnen mit an Bord. Alles läuft gesittet und leise ab. Das kennen wir auch anders. Und dann kümmern wir uns doch noch. Als bei der Ankunft alle das Deck verlassen haben und unten darauf warten, dass das Anlegemanöver beendet ist, liegt noch eine Jacke einsam da. Kathrin nimmt sie und geht damit zu einem Begleiter. Der hält die Jacke hoch und ruft etwas und schon hat sie ein Schüler wieder unterm Arm.

Ankunft auf der Insel Saaremaa. Es gibt ein Hafengebäude und mehr nicht. Zum nächsten Ort fahren wir durch Wälder und decken uns dann mit den Sachen für ein Frühstück ein, um bei herrlichstem Sonnenschein dieses am Strand zu genießen. RMK, die Behörde, die sich in Estland um die Plätze kümmert hat Tische aufgestellt, eine Feuerstelle ist auch da. Kaum haben wir den Kocher für den Kaffee ausgepackt regnet es. Na toll! Immerhin haben die Tische ein Dach.

Saaremaa ist die größere der Inseln und wir benötigen ein paar Tage um um sie herum zu kommen. Der Wind nimmt an Stärke ordentlich zu, es scheint weiterhin die Sonne, aber es ist schneidend kalt im Wind. Wir ändern die Route so, dass wir mehr mit dem Wind als gegen ihn fahren. Dadurch können wir einige schöne und hochgelobte Buchten nicht sehen. Schade, aber wir denken uns, das wir bei der Kälte ohnehin nicht lange dort verweilen oder gar schwimmen können würden.

Es wird richtig herbstlich. Die ersten Blätter an den Bäumen werden bunt, die Temperaturen gehen nachts stark runter, es wird kalt und die Äpfel sind reif. Wir bedienen uns kräftig an den Apfelbäumen, die an der Straße wachsen, oder nehmen Äpfel mit, wenn nette Menschen sie zum verschenken hingelegt haben: immer lecker!

9 Kommentare zu „Hiiumaa und Saaremaa

  1. Also die Lösung mit dem Bier finde ich grandios, Wasser mit Hefegeschmack ist definitiv für Kopf (und bestimmt auch Körper) besser als Faule-Eier-Wasser!

    Der Rest klingt auch super, wünsche euch eine gute Nacht und speichert all die Bilder gut in eurem Kopf ab, wir hier erfreuen uns währenddessen an den Fotos!

    Gefällt 1 Person

  2. Solange eure Entbehrungen immer wieder durch schöne Erlebnisse ausgeglichen werden, ist das bestimmt auszuhalten. Was ein Abenteuer! Ich less immer voller Begeisterung, wie es weitergeht. Alles Gute und weiterhin viel Spaß und immer das nötige Quäntchen Glück! 🍀

    Gefällt mir

  3. Ihr schreibt von Mal zu Mal spannender! Ich bin begeistert!
    Und die Bilder sind der Hammer, welche Pracht auf dieser Welt!
    Wie seid ihr denn durch die Furt gekommen? Eure Räder samt Gepäck
    sehen noch so zivilisiert aus?
    Und ihr auch, wenn auch leicht gegerbt😅

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für die Blumen, die Lösung des Rätsels mit der Furt ist, wir sind da gar nicht durchgefahren, es waren nur noch wenige Meter bis zur Ostsee, da sind wir zu Fuß hin und haben das Foto auf dem Rückweg gemacht!😊

      Gefällt mir

  4. Wir können nur staunen wie schön ihr uns an all euren Erlebnissen teilhaben laßt. Hier fängt auch der Herbst an und das Laub im Garten sorgt für ordentlich Arbeit. Gestern war der Gärtner da und hat den alten Apfelbaum vorm Wohnzimmer gefällt, sodaß dann ein neues Gerüst für die Rose aufgebautwerden kann. Mit Jona war es wunderbar und ich kann schon manches mehr auf dem Smartphone. Seid innig gegrüßt aus Bünde

    Gefällt mir

Schreibe eine Antwort zu Heide Scholz Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: