Spontan oder verpeilt?

Da wir uns entschlossen haben nun an der Donau entlang zu radeln, müssen wir in Lübeck eine Unterkunft für die Nacht und dann eine Zugverbindung finden. Oha! In Travemünde angekommen gibt es jede Menge freie Hotelbetten und Campingplätze mit hohen Preisen. Das ist zwar möglich, aber so richtig befriedigt das unseren Abenteurergeist nicht. Wir fragen bei Johannes an, ob er uns in zwei Stunden einen Schlafplatz für die Nacht anbieten kann. Johannes kennen wir nicht, aber er ist auf der Plattform „Warmshowers“ eingetragen. Dort können radelnde Radler stationäre Radler finden, die eine Übernachtungsmöglichkeit bieten. Johannes ist bereit, uns für die Nacht seine Couch zur Verfügung zu stellen. Wir fahren also von der Fähre runter und rein nach Lübeck. Es erwartet uns ein netter Abend mit viel Austausch über Radfahren und reisen, ein warmes Abendessen und ein herzlicher Gastgeber. Hurra!

Hier waren wir schon mal.

Am nächsten Morgen fragen wir am Bahnhof in Lübeck nach, wie wir denn am besten mit unseren Rädern nach Passau kommen. Mit Fahrrädern im Zug! Der Mann hinter dem Schalter hält uns für meschugge, da wir noch nix gebucht haben und es Wochenende ist. Als er merkt, dass wir nicht in Tränen ausbrechen oder anfangen uns über die Bahn aufzuregen wird er zutraulich und erzählt witzig über die Heerscharen von Radlern, die am Wochenende irgendwo hin wollen und nicht rechtzeitig gebucht haben. Die Relation zwischen Fahrradmitnahmeplätzen in Fernverkehrszügen und Spontanbahnreisenden mit Rad stimmt gerade im Sommer an Wochenenden leider überhaupt nicht. Was trotzdem geht ist die Fahrt in Regionalbahnen. Da es mit zehn Mal Umsteigen nach Passau nicht an einem Tag zu bewältigen ist, beschließen wir, in Etappen durch Deutschland zu reisen.

Wir checken unsere Optionen und raus kommt, das wir nach Göttingen fahren und dort unsere Tochter in ihrer WG heimsuchen dürfen. Alles schön per RegionalExpress, es geht!! Es ist unfassbar aufregend, die eigene Tochter das erste Mal in ihrer Wohnung zu besuchen, sagen wir zwei, die wir seit 10 Wochen auf dem Rad durch Europa zuckeln. Wir wundern uns immer wieder was mit uns passiert.

Wir verbringen einen tollen Abend mit Kara und ihrer WG. Dank an die Truppe für die Unterkunft. Und dann müssen wir entscheiden, wie es weitergeht. Inzwischen ist in Göttingen dann auch das Päckchen angekommen auf das Kathrin heiß und innig gewartet hat. Das von Freundin Anette gestaltete Tagebuch. Das erste Buch ist schon voll …

Wir schaffen es bis Würzburg und verbringen einen langen und geselligen Abend bei Antje (der kleinen Schwester von Kathrin) und Daniel. Auch hier sind wir dankbar und froh, dass es spontane und flexible Menschen gibt, die wir nur wenig vorher von unserem Erscheinen in Kenntnis setzen und die sich dann freuen und uns herzlich und mit offenen Armen aufnehmen.

Und unsere Reiseplanung hat sich an Wetter, Bahn und Umstände angepasst. Es geht mit der Bahn nach Regensburg und von dort auf dem Donauradweg ans schwarze Meer. In Budapest werden wir Freunde treffen. Die Vorfreude ist riesig!

Hier ist es warm!

Die Bahn beglückt uns einmal damit, dass sie uns und unsere Räder quer durch Deutschland transportiert. Und dann mit wunderbaren Ansagen, Hinweisen und Tipps:

„Dieser Zug ist alkoholfrei.“ Hätten wir den Moselexpress genommen wären es vermutlich 11,5 ‰ gewesen.

„Das Speisen ist auf das Nötigste zu beschränken.“ Wir hatten an ein fulminanates Mahl mit drei Gängen gedacht, nun können wir mit dieser poetischen Ansage auf jegliches Essen verzichten und brauchen nicht einmal ein Brötchen versteckt hinter unserer Maske mümmeln.

„Schreiben sie jetzt ihren Namen auf das Verbundticket. Wenn sie keinen Stift haben, so fragen sie ihren Sitznachbarn oder den Zugbegleiter! Sollte ihr Sitznachbar nicht weiterhelfen können, stehen Sie auf und sprechen Sie weitere Mitreisende an!“ Das sind hilfreiche Tipps, auf die man so anscheinend nicht kommt.

3 Kommentare zu „Spontan oder verpeilt?

  1. Umwerfend und unbezahlbar, eure Spontaneität im Umgang mit euren Mitmenschen!
    In diesem Punkt seid ihr zwei einfach hochbegabt, und, ihr wisst es zu nutzen❣️
    Für euch und zur Freude aller Betroffenen!♥️

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  2. Da hättet ihr auch bei mir in Coburg übernachten können. War an dem Wochenende gerade da. Allerdings hätte ich nicht so schnell mein Rad nebst Gepäck aus Dortmund herbei zoomen können, sonst wäre ich ein Stück des Weges an der Donau längs mitgefahren.

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