Italien 5

Wir sind auf Sizilien. Wieder mit einigem Hin und Her, was unsere Räder auf der Fähre angeht: Natürlich können Räder mitgenommen werden, aber nur dann, wenn sie zusammengeklappt werden. Diese Information erklärt, weshalb wir hier schon so viele klappbare Räder gesehen haben. Nur, dass unsere Räder nicht klappbar sind und auch keine zierlichen und leichten Rennräder sind, bei denen man – ruckzuck – das Vorderrad ausbauen kann, denn das gilt ebenfalls als klappbar. Nichts davon trifft auf unsere Drahtesel zu, zu allem Überfluss sind sie auch noch dick beladen und nehmen dadurch noch mehr Platz weg. Aber wir sind in Italien! Am Ticketschalter für die Fähre sagt man uns, dass wir hierbleiben sollen, dann wird mit dem Kapitän telefoniert, der kommt und schaut sich die Lage an und dann dürfen wir mit unseren Brummern doch noch auf das Schiff und kommen 30 Minuten später auf Sizilien an.

Wo wir schon auf Sizilien sind, wollen wir uns den Ätna ansehen. Dazu müssen wir ein paar Kilometer in den Süden der Insel düsen. Wir haben gutes Wetter, es scheint die Sonne und das Meer präsentiert sich in tollen Farben. Flott sausen wir die Uferstraße entlang, als diese durch ein fettes Schild und einen noch fetteren Betonblock gesperrt wird. Och nööö, nicht schon wieder! Die Umgehungsstraße zu nehmen ist keine schöne Option, da sie mal eben auf 1000 Höhenmeter hoch geht, um dann wieder runter zu kommen und 2km Strecke gemacht zu haben. Das schaffen wir nicht mal so eben. Kurzerhand satteln wir die Räder ab, bugsierten sie auf die andere Seite der Sperre, satteln sie wieder auf und fahren mit gemischten Gefühlen weiter: wir sollten nicht hier sein, aber die komplette Straße für uns zu haben ist auch nicht übel. Die Straße ist gesperrt, weil einige Erdrutsche abgegangen sind und nun dicke Steinbrocken auf der Fahrbahn liegen, die sich mit dem Rad sehr leicht umrunden lassen. Die Aussicht ist toll und ohne weiteren Verkehr können wir sie gut genießen. Am anderen Ende der Sperrung ist alles mit Ketten und Schlößern und Gittern abgesichert. Außerdem steht ein Auto davor, irgendjemand sitzt darin und wartet. Uns wird ein wenig mulmig und wir fühlen uns auf frischer Tat ertappt. Aber das wir uns nicht an die Sperrung gehalten haben interessiert nicht, es ist alles ganz einfach: wir sollen warten, gleich käme jemand mit dem Schlüssel, der macht dann das Gitter auf und wir müssen die Räder nicht drüberheben. Was für ein netter Zufall. So geschieht es, wir fahren durch das geöffnete Gitter und beschwingt weiter Richtung Ätna.

Wir nähern uns dem Ätna, er ist am Horizont zu sehen, zumindest die Basis. Der Gipfef ist in weiße Wolken gehüllt, an den oberen Hängen liegt Schnee. Auf der Straße liegt schwarzer Sand in rauen Mengen herum. Es ist Ätna-Asche, wie wir später erfahren, die Anfang Oktober ausgestoßen wurde. Nun liegt sie auf den Feldern und auf der Straße. Der Ätna ist ein aktiver Vulkan und produziert immer mal wieder solche Aschewolken, die sich dann in der Umgebung verteilen. Das Problem besteht gar nicht darin, dass man sie zusammenkehren muss, sondern darin, dass man nicht weiß wohin mit den Unmengen an Asche, die im Laufe der Zeit so zusammenkommen. Das Meiste wird in Steinbrüche gekippt, aber wenn die großen Aufräumarbeiten vorbei sind, kommt immer noch Asche nach, die durch den Wind verteilt wird und sich dann eben an einigen Stellen sammelt.

Da wir nicht wissen, wie wir am besten einen Vulkan erkunden, buchen wir eine geführte Tour. Unser Tourguide ist Francesco, der uns fährt und alles über den Berg weiß und erklärt. Zufällig spricht er deutsch. Erst geht es durch viele kleine Ortschaften, immer höher hinauf. Das Wetter ist nicht so einladend, es regnet und ist ziemlich kalt. Von der Bergspitze ist nichts zu sehen, nach wie vor ist sie in Wolken gehüllt. Wir erkunden eine Lavahöhle, dann klart das Wetter etwas auf und wir machen eine eindrucksvolle Wanderung über Lavafelder. Es ist hier oben wie in einer anderen Welt, alles ist schroff, rau, geradezu abweisend und wahnsinnig weit. Die Vegetation ist hier ganz anders als unten am Meer, es wachsen Birken, die vor dem schwarzen Lavaboden besonders strahlend wirken. Palmen und die vielen blühenden Büsche sind hier dagegen nicht zu finden. Ein wenig höher gibt es dann kaum noch Vegetation sondern nur noch Lavabrocken, die mit schwarzer Asche zugedeckt werden. Auf den schwarzen Feldern geht es sich wie auf weichem Sand. In dem starken Wind, der hier heute weht, werden wir fast umgepustet, er dröhnt uns so um die Ohren, dass wir kaum verstehen können, was uns Francesco erzählt. Die Luft ist ein wenig dunstig, von den Gasen, die der Berg ausstößt, sie riechen nach Schwefel und kratzen im Hals, man muss sofort husten. Die Sicht ist zwischendurch immer wieder wunderbar und wir können über die Felder schauen und sogar das Meer sehen, nur die Bergspitze bleibt hartnäckig verborgen in einem Wolkenwirbel. Auf dem Vulkan stehend, selbst wenn wir nicht an einem Kraterrand sind und in die Lava schauen, fühlen wir uns den Urgewalten sehr nahe und dabei sehr winzig und unbedeutend. Und das ist kein schlechtes Gefühl!

Weiter auf unser kleinen Sizilientour wollen wir uns das alte griechische Theater in der Stadt Taormina anschauen. Es ist oben auf dem Berg, wir haben alle Sachen auf den Rädern und die Steigung ist mörderisch. Als wir dann noch von unserem Navigationsgerät auf den Wanderpfad geführt werden (wohlgemerkt ist es ein Navigationsgerät für Fahrradfahrer – zumindest laut Beschreibung), streiken wir und drehen wieder um. Wir nehmen die Autoroute und werden dank des starken Windes angeschoben und nach oben gepustet. Das Theater wird immer noch als Bühne für Festivals genutzt, was unglaublich ist, wo es doch auch schon vor 2500 Jahren dafür genutzt wurde!

6 Kommentare zu „Italien 5

  1. Claus Peiler
    Hallo Kathrin, hallo Ben, eure Tour ist ja wirklich spannend und auch sehr interessant. Übrigens, die viele Asche soll ja äußerst fruchtbar sein. Wenn ihr nur lange genug darüberfahrt, geschieht vielleicht so etwas wie mentales Wachstum. Aber mal im Ernst, die Tour muss ja eine wahnsinnige Bereicherung an Erfahrungen und Eindrücken mit sich bringen und natürlich auch viele neue Erkenntnisse..
    Ganz liebe Grüße und noch viele spannende neue Erlebnisse von
    Claus und Gabriele

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  2. Wunderbare Bildner vom Ätna. Fast neide ich sie euch. 1980 war ich mit einem Freund über Sizilien auf dem Weg in die Sahara. Wolkenverhangen lag der Ätna vor uns .Mit dem öffentlichen Bus sind wir bis zur oberen Seilbahnstation gefahren. Natürlich wollten wir zum Kraterrand. Schneetreiben und stürmischen Wind trotzend erreichten wir auf allen Vieren krabbelnd unser Ziel. Aussicht in den Krater = 0. Dank eurer Bild weiß ich endlich, wie es da oben ausschaut.

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