Palermo 4

Wenn wir nicht gerade italienisch lernen, versuchen wir die Stadt und die Umgebung weiter zu erkunden, was gar nicht so leicht ist, denn die Tage sind kurz, wenn wir erst die Schulbank drücken und dann noch die Hausaufgaben machen, meist in der Bar. Abends sind wir dann ziemlich erledigt, aber voll mit Eindrücken und Erlebnissen.

Kaffeepause vor dem Teatro Massimo

Wir laufen ziellos herum und schauen welche Ecken wir entdecken, und was es alles Spannendes gibt. So stoßen wir bei einem unserer Streifzüge auf den Palazzo Butera. Dies ist ein Palazzo, der uns von außen erst einmal nicht aufgefallen ist. Wie auch, ist hier doch alles voll mit irgendwelchen Häusern an denen eine Plakette hängt auf der dann „Palazzo so und so“ steht. Zusätzlich gibt es aber noch ein Plakat mit dem Hinweis auf eine Kunstausstellung und deshalb gehen wir hinein. Zum Glück, denn wir finden dort sehr spannende Kunst und ein fantastisch restauriertes Gebäude. Die Räume sind nicht komplett wieder so hergestellt, wie sie einmal ausgesehen haben mögen, sondern man hat das, was zu retten war, gerettet und was sehr kaputt war in einer wunderbar kreativen Art derart umgestaltet, dass man über die tollen Details nur staunen kann und oft auch Einblicke in die Originalkonstruktionen des Palazzos erhält. So findet man in einem Saal nur noch den äußeren Bereich der Decke mit Fresken bemalt, der restliche Teil gibt den Ausblick auf die Deckenkonstruktion frei. Eine Etage höher kann das Ganze auch von oben betrachtet werden. Außerdem gibt es moderne Fresken und grafische Malereien an neugestalteten Decken direkt neben klassisch restaurierten Räumen. Das alles, zusammen mit der Vielzahl an Kunstgegenständen der unterschiedlichsten Epochen, die hier ausgestellt sind, gibt einen sehr spannenden Mix aus verschiedenen Bau- und Kunststilen. Die gezeigte Kunst ist aus der Sammlung von Francesca und Massimo Valsecchi, die diesen Palazzo auch in der jetzigen Form restauriert haben. Wir werden durch die Dachkonstruktion auf eine kleine Aussichtsplattform oben auf dem Dach geleitet, von wo aus wir den Hafen, das Meer und den Hausberg Palermos, den Monte Pellegrino, im Sonnenschein bewundern können. Wir halten uns stundenlang hier auf und sind am Ende übervoll mit Eindrücken.

Sizilien hat eine große Tradition im Spielen von Puppentheater. Folgerichtig gibt es hier ein Museum, welches einem der Theater angegliedert ist und wo verschiedene Puppen aus aller Welt und insbesondere aus Sizilien bestaunt werden können. Im Rahmen eines Klassenausflugs (Wandertag!) sind wir dorthin gegangen. Unsere Schule bietet einmal in der Woche eine soziale und kulturelle Aktivität an und so sind wir mit einigen anderen Sprachschülern hier gelandet. Erst lassen wir uns von den Figuren beeindrucken, dann versuchen wir uns in einem wilden Sprachgemisch in der nächstgelegenen Bar zu unterhalten. Da der Italienisch-Kenntnisstand sehr unterschiedlich ist, muss auch immer wieder Englisch herhalten, dieses babylonische Sprachgewirr macht uns total viel Spaß.

Palermo ist voll von Kunst und Geschichte. Ganz besonders hervorgehoben wird allerorten die normannisch-arabisch-byzantinische Kultur, der Sizilien und insbesondere Palermo, prächtige Kirchen und Gebäude zu verdanken hat. (Und wer sich jetzt wundert was die Normannen und die Byzantiner hier gemacht haben und obendrein noch die Araber, kann erahnen, warum auf Sizilien so viel Kultur herumliegt, dass man es kaum fassen kann.) Um 1200 herum wurden hier diverse Kirchen, Kathedralen und Paläste errichtet, die einen klaren byzantinischen Einfluss zeigen mit üppigen, goldenen Mosaiken und Verzierungen, kleinen runden Kuppeln und ausgeklügelten Belüftungs- und Wassersystemen. Aller Orten stoßen wir auf diese Gebäude in Palermo. Eine besondere Kathedrale liegt etwas außerhalb der Stadt, in Monreale. Wir schwingen uns auf die Räder und keuchen einen Berg hinauf, den es zu bezwingen gilt. Dann finden wir uns in einem biblischen Comic wieder. Der ganze Innenraum der Kathedrale von Monreale ist mit goldenen Mosaiken ausgekleidet, die Geschichten der Bibel zeigen. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, überall gibt es eine Geschichte zu sehen und wieder ein neues Muster zu finden. Die Kathedrale ist in nur vier (4!) Jahren Bauzeit entstanden und ist die größte auf ganz Sizilien. Unvorstellbar was hier geschuftet wurde! Auch auf das Dach können wir steigen und haben von dort einen weiten Ausblick auf die Bucht und Palermo. Wunderschön, leider muss man für solche Aussichten immer die Berge hochstrampeln….

6 Kommentare zu „Palermo 4

  1. So, jetzt kenne ich eine Menge Kultur aus Plermo! Jetzt bitte Infos zu Palermos Kulinario:
    Arancina, Panelle, Sfincione, Anelletti al forno, Cannolo…
    Andiamo al ristorante …ok più presto!
    dai, dai..👋

    Gefällt 1 Person

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