Sardinien 3

Sardinien ist die Insel der Nuraghen. So heißen die Bauten der Menschen, die hier von 1600 bis 400 v. Chr. lebten. Sehr viel weiß man nicht über dieses Volk, aber ein paar eindrucksvolle Funde hat man gemacht, die sich nun in Museen über die Insel verteilt finden. Besonders die Figuren beeindrucken uns. Die Gesichter sind uniform gestaltet, mit riesigen, starren Augen, sehen sie wie starrende Geister aus, abwesend und doch present. Die Bauten, die Nuraghen, schauen wir uns weniger an. Erstens sind es alte Steine und Ruinen und davon haben wir in der letzten Zeit genug gesehen. Ob nun römisch, griechisch oder nuraghisch ist uns grad egal. Zweitens (und das ist eher der entscheidende Punkt), liegen diese Bauten meist an strategisch wichtigen Plätzen: auf Bergen! Also fahren wir an einigen Schilder vorbei, die uns auf die Existenz hinweisen und die wir aus Steigungsgründen gekonnt ignorieren.

Wir sehen auch immer wieder Flamingos, die hier in den seichten Gewässern rumstehen. Flamingos in freier Wildbahn finden wir ziemlich aufregend. Richtig toll ist es, wenn wir einen sehen, der fliegt. Das tun die Exemplare im Zoo ja nie, denn dort haben sie beschnittene Flügel.

Es ist die Karwoche und im katholischen Sardinien mit spanischen Wurzeln, werden in verschiedenen Orten Prozessionen veranstaltet. In Bosa treffen wir auf die Palmsonntagsprozession, die durch eine Straße der Altstadt führt. Viele Menschen haben kunstvoll geflochtene Palmwedel in den Händen und die voranschreitenden Männer singen. Die beiden PolizistInnen der Stadt regeln den Verkehr und begleiten die Prozession. Es liegt eine lustige Mischung aus Ehrwürdigkeit und Volksfest in der Luft.

Wir sind auf dem Weg nach Stintino. Kathrin hatte enthusiastisch angenommen, dass die 52km ein Klacks seien und wir nach wenigstens drei Stunden da sein müssten. Irgendwie sind die Höhenmeter in der Kalkulation abhanden gekommen. Sechs Stunden und 870 Höhenmeter später sind wir ziemlich platt und stolz, denn wir haben eine wunderschöne Strecke mit tollen Ausblicken und vielen Bergen zurückgelegt. Die Ferien haben begonnen und so begegnen wir auf einmal vielen Menschen, die mit dem Rad, ähnlich wie wir, die Berge raufstrampeln und oben angekommen mit einem seligen Lächeln die Aussicht genießen oder sich erst einmal hinlegen und Luft holen. Oder aber als Rennradler schnell mal eben den Berg hinaufstratzen und nebenbei noch einen kleinen Schwatz einlegen.

Wir sind dann schließlich in Stintino gelandet. Einem klitzekleinem Ort im nordwestlichsten Zipfel Sardiniens. Mehrere Menschen hatten uns von diesem ehemaligen Fischerdorf vorgeschwärmt und im Reiseführer wurde die Fähre von hier zum vorgelagerten Inselnationalpark beworben. Eine Insel mit weißen Eseln, die hier wild leben. Das wollten wir uns anschauen und so haben wir uns durch den Wind und die Berge hier oben hin gekämpft. Wie so oft ist alles anders. Der Ort ist winzig, das haben wir nicht anders erwartet. Die Fähre zu der Insel fährt aber nur im Sommer…. Na gut!Also sind wir hier, schauen uns die Gegend an und blicken vom Strand aus zu der Insel hinüber. Esel können wir von hier aus nicht sehen, dazu ist es zu weit weg. Aber das Wasser mit seinen Blauschattierungen finden wir super! Unsere Unterkunft ist so dermaßen gut und wir treffen hier so viele fröhliche und nette Menschen, dass wir zwei Tage verlängern. Wir kochen mit Giampiero, der uns mit Hingabe seine Heimatinsel näher bringt, trinken Wein mit Boris und Laurance aus Frankreich und plaudern mit Giorgio über Geheimplätze auf Sardinien. Tagsüber sehen wir am Strand den Kitesurfern zu. Ins Wasser wollen wir nicht: es ist kalt und der Wind bläst heftig (klar, deshalb sind ja auch die Kitesurfer hier). Mit den Tipps von Giorgio erkunden wir die Gegend und machen kleine Wanderungen.

4 Kommentare zu „Sardinien 3

  1. In der Nähe von Stintino hat eine frühere Schulfreundin von mir mit ihrem toskanischen Ehemann eine Ferienanlage am Meer. Das müsste da ganz in der Nähe sein. Sie kommt auch aus Recklinghausen.

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