Kroatien 2

Wir sind auf dem Weg nach Dubrovnik. Kathrin hat sich ordentlich erkältet und braucht ein paar Tage Ruhe. Deshalb radeln wir in kleinen Einheiten, die nicht zu anstrengend werden. Dabei haben wir dann die kleinen Städtchen in der Bucht von Kotor intensiv erkunden können. Es sind wenig Touristen da, die meisten Lokale haben schon alles für den Winter weggestellt. Alles wirkt sehr verschlafen und gemütlich. Und im Novemberwetter auch ganz ungewohnt und nicht so, wie man die Bilder vom Mittelmeer sonst kennt, mit viel Sonnenlicht und vielen Menschen, sondern mit Wolken und dem ein oder anderen Regenguss.

Wir treffen immer wieder auf tolle und spannende Menschen: in Popviće, einer kleinen Ortschaft vor Dubrovnik, unterhalten wir uns mit unserem Vermieter, dessen Familie seit 700 Jahren in dem Haus wohnt. Er erzählt sehr lebendig von seiner Familie und dem was in den letzten hundert Jahren geschehen ist, warum das Haus so gebaut wurde und was alle arbeiten. Sehr spannend. Er schenkt uns eine CD mit Folksongs aus Kroatien, die er mit eingespielt hat. Leider haben wir keinen CD-Spieler auf dem Rad dabei, deshalb schicken wir die CD per Post vorgeschickt und freuen uns drauf sie zu hören, wenn wir irgendwann wieder zu Hause sind.

Den Strand schauen wir uns auch an. Wir erwarten nix besonderes, sondern laufen einfach den Schildern nach. Dann werden wir von einer sehr steilen Steilküste überrascht. Es ist ein Weg angelegt, den man hinunterklettern kann. Die Boote sind schon hochgezogen worden, liegen an den Felsen geschmiegt und warten auf das nächste Frühjahr. Wir machen noch schnell ein Video für unsere Nachbarschaftsgruppe mit Meeresrauschen.

Auf dem Weg nach Dubrovnik führt uns das Navi in eine abgesperrte Straße. Wie geht es nun weiter? Netterweise sind aus dem Tor ein paar Streben herausgetrennt worden, so dass wir die Räder (nur ohne Gepäck) hindurch manövrieren können. Und das 30 Meter vor dem gebuchten Apartment.

Dubrovnik’s Altstadt ist komplett von einer riesigen Festungsmauer umschlossen und in den Berg gebaut. Vom einen zum anderen Stadttor führt eine schnurgerade Straße, die die Stadt einmal der Länge nach teilt. Rechts und Links davon gehen Treppenstraßen nach oben zu den Häusern. Weil das den Leuten nicht gereicht hat, haben sie vor einigen hundert Jahren noch einen künstlichen Berg in der Stadt angelegt und eine fette Treppe draufgebaut, in Anlehnung an die spanische Treppe in Rom. Nur etwas kleiner.

Jeden Tag um 12:00 Uhr werden die Tauben offiziell gefüttert. Angeblich, damit sie nicht hungrig die Touristen nerven. Es ist ein wenig gruselig, wenn die Tauben sehr selbstbewusst den Platz für sich beanspruchen und herum fliegen, egal ob man da nun steht oder nicht. Das haben sie sich von den Autofahrern abgeschaut: wer zuckt hat verloren und muss weichen. Wir finden die Idee der offiziellen Taubenfütterung jedenfalls nicht so einleuchtend. Vielleicht weil uns diese tieffliegende Schwärme an Hitchcock erinnern.

Im früheren Jugoslawien wurde der Zastawa produziert. Ein kleines Auto, das sich im Land etabliert und weit verbreitet hat. Internationale Anerkennung war dem Wagen nicht beschieden, aber einen gewissen Mythos und Kultstatus hat er in bestimmten Kreisen. Wir machen eine Zastawa-Tour und sind begeistert von dem Retro-Charme. (So nennt man das, wenn man so alt ist, dass man etwas Altes selbst erlebt hat und sich freut, dass man es wiedererkennt.) Unsere Chauffeurin ist Nikola, die unglaublich viel weiß und uns sehr viel zur neueren Geschichte von Dubrovnik, Kroatien und natürlich über Zastavas zu erzählen weiß. Wir löchern sie mit Fragen zu Allem und sie ist geduldig, witzig und um keine Antwort verlegen. Zwischendurch machen wir immer wieder Fotos an besonderen Aussichtspunkten und am Schluss ist Ben am Steuer. Heia Safari!

Und von Dubrovnik geht tatsächlich auch eine Fähre nach Bari, die wir nehmen, um dann doch noch in Italien weiter zu radeln.

4 Kommentare zu „Kroatien 2

  1. Ihr schreibt so wunderbar anschaulich, das weckt einen ganzen Sack voller Erinnerungen! Und dazu noch die tollen Bilder!
    Seid ihr beide die Erkältung los?
    Bitte geht achtsam mit eurer Gesundheit um, wir sind erpicht darauf, euch irgendwann fit umarmen zu dürfen und erleichtert und glücklich zu sein❤️

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  2. Tolle Beschreibung von Dubrovnik, habe ich auch gute Erinnerungen aus alten (uralten) Zeiten!! Das Highlight des letzten Blogs: Ben und der Hut!!!
    Bitte jetzt bei jeder Fotostrecke einmal aufsetzen!!!
    Habe ja grundsätzlich null Vorurteile- aber in Bari bitte auf die Speichen achten – weil…
    … igSaR

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  3. In Kroatien waren wir auch schon zweimal, aber weiter nördlich. Dank eures tollen Berichtes und natürlich Dank der schönen Fotos ist Dubrovnik nun definitiv auf unserer to-do-Liste gelandet. Alles Gute weiterhin und tanti saluti alla mia bella Italia ❤️🇮🇹

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