Italien 3

Wir sind in der Anbauregion unserer Lieblingsweinsorte, dem Primitivo. Was wir bislang nicht wirklich bedacht hatten ist die Tatsache, dass zwar in Deutschland immer die Rede von Weinbergen ist, hier, in Süd-Italien das jedoch vollkommen überflüssig ist. Es braucht hier keine Weinberge, da sowieso immer genug Sonne scheint. Die Weinreben werden einfach auf Feldern nebeneinander gesetzt, da bekommen alle genug Sonne. Die Lese hat bereits stattgefunden aber ab und zu finden wir noch ein paar Trauben, die hängen geblieben sind. Die pflücken wir dann ab und schnabulieren sie genüßlich. Bei den Mandarinen und Orangen machen wir das nicht, obwohl die Versuchung sehr groß ist. Wir kommen an riesigen, in Worten: riesigen! Plantagen mit Mandarinen und Orangen vorbei. Die Früchte leuchten durch das dunkle Laub und sehen sehr lecker aus…. Die Ernte ist in vollem Gang und eifrig wird gepflückt und eingesammelt, zusammen- und weggekarrt.

Wir kommen durch Tarent (italienisch Taranto), eine größere Stadt und da Kathrin das Gefühl hat, dass ihre Bremse einen Hau hat, wollen wir das von einem kompetenten Fahrradschrauber überprüfen lassen. Unsere Fähigkeiten reichen da nicht aus. Wir können mit Ach und Krach einen Reifen wechseln – das glauben wir jedenfalls, denn wir mussten es bislang zum Glück nicht unter Beweis stellen. Nun also sind wir auf dem Weg zum Radladen in Tarent: MF Cycling heißt er. Die Jungs da drin sind super hilfsbereit, schauen sich das Rad sofort an und nehmen die Bremse auseinander. Sie finden nichts besonderes, reinigen sie und versichern Kathrin, dass damit noch viel gefahren und gebremst werden kann. Sie interessieren sich auch sehr für den Rahmen, denn da stehen all die Orte unserer Route drauf, in denen wir übernachtet haben. Das ist inzwischen ein ansehnliche Menge. Es werden Fotos vom Rahmen und uns Radelnden gemacht. Wir verabschieden uns mit viel Hallo und guten Wünschen, der Service ging aufs Haus. Grazie!

Wir wollen in Tarent nicht bleiben, sondern nur durchfahren, werden dabei von einem Italiener angesprochen, der mit seinem E-Scooter unterwegs ist, und der uns nahelegt doch zumindest den Dom anzuschauen, der sei besonders schön. Er fährt mit seinem Scooter vor uns her und weist uns den Weg durch das Gewirr der kleinen Gassen in der Altstadt, die auf einer Insel liegt, verbunden mit Brücken mit den neueren Stadtteilen. Am Dom angekommen winkt er noch und ist weg. Kathrin will in den Dom, doch die Tür ist zu. Wegen Mittagspause ist schon geschlossen lässt uns ein Mann wissen der dort steht und meint, dass er das Fahrrad von Kathrin und uns gerade erst bei Facebook gesehen hat: der Radladen hat Fotos gepostet und von dem vollgeschriebenen Rad berichtet. So schnell kann ein Rad viral gehen. Also zumindest viral in Tarent….

Tarent ist eine Industriestadt, die insbesondere von dem Hafen lebt. Wir können die dicken Pötte in der Hafeneinfahrt bestaunen, was auch die Meerjungfrauen tun.

So sausen wir an der ionischen Küste entlang, die schöne Strände hat: feine Sandstrände und klares Wasser. Aber sonst entdecken wir wenig, das uns hier halten könnte. Die Strände sind nur durch die davor gebauten Orte zugänglich. Im Hinterland gibt es Obst- und Gemüseplantagen und wenig Schönes. Die Region scheint arm zu sein. Wir kommen an so vielen verlassenen Höfen und Häusern vorbei, dass wir sie schon gar nicht mehr zählen. Alle bewohnten Häuser sind eingezäunt und von Hunden bewacht, die auch gerne mal laut kläffend hinter uns her jagen. Das ist kein angenehmes Gefühl!

5 Kommentare zu „Italien 3

  1. Ich hoffe, Kathrin, du fühlst dich mit deiner Bremse wieder sicher!
    Gut, dass ihr in dieser öden, etwas gruseligen Gegend zu zweit seid.
    Aber die Plantagen mit den herrlichen Farben sind ein klasse Ausgleich ,da läuft ja jedem
    Obstfan das Wasser im Mund zusammen!
    Das ist also der arme Süden!?

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  2. Herzlichen Glückwunsch liebe Kathrin, Gesundheit und noch ganz viele unvergessliche Momente auf Eurer Reise – genieße den Tag und lass Dich schön verwöhnen – mit einem Glas wohltemperiertem Primitivo
    Herzlichen Gruß aus Dortmund
    Ulrike und Hans-Peter

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