Italien 7

Kathy fliegt zurück nach Kanada, Anna nach Malaysia und wir radeln Richtung Norden in das Gebiet der Vulkanseen. Die Vulkane sind schon seit laaaaanger Zeit erloschen, aber die Krater, die sie hinterlassen haben, sind mit Wasser vollgelaufen und nun ziemlich runde Seen. Was einen ehemaligen Vulkan auszeichnet ist mitunter, dass er ein Berg ist. Für uns bedeutet dies, dass wir, um zu dem See zu kommen, erst einen Berg/Kraterrand hinaufradeln und dann, oben angekommen, auf der anderen Seite wieder hinterrollen. Wir bremsen, bevor wir im Wasser landen. So erleben wir den Lago di Vico und den Lago di Bolsena. Wir fahren auch durch endlos erscheinende Haselnusshaine, was bei dem Nutellakonsum, den wir hier erleben, auch notwendig erscheint.

Wir fahren zum Teil auf der Via Francigena. Dies ist ein Wander- und ehemaliger Pilgerweg, der von Canterbury bis nach Rom führt. Uns kommen viele Wanderer und Radfahrer entgegen, die sich auf dem Weg nach Rom befinden. Allerorten treffen wir auf Hinweis- und Wegschilder. So werden wir durch die sanften und grünen Hügel der Toskana geleitet, überall sehen wir die typischen Zypressen, Weinberge und die auf den Bergen liegenden Dörfer und Anwesen. Wir stellen fest, dass die „sanften Hügel“ der Toskana überhaupt nicht sanft, sondern sehr herausfordernd daherkommen. Steigungen von 15% sind nicht selten, sie machen nicht nur keinen Spaß, sie tun auch weh! Irgendwo lesen wir, dass die Strecke zwischen Rom und Siena eine Fahrradherausforderung ist. Stimmt, das finden wir auch. Gut, dass wir nach Bagno San Filippo fahren.

Bagno San Filippo ist ein winziger Ort, der (natürlich) auf einem Berg liegt. Dort sprudeln ein paar heiße Thermalquellen und man kann in dem bis zu 52 C heißen Wasser liegen und sich Muskeln und Knochen erwärmen lassen. Es gibt hier in der Gegend mehrere von diesen heißen Quellen und manche sind frei zugänglich. Wir sitzen sehr entspannt in einem der heißen Becken unter freiem Himmel. Total irre: ein Pool mit heißem Wasser und Bergpanorama. Das ganze kostet keinen Cent und wir sinken wohlig erwärmt und entspannt danach in unser Bett.

Nach der herrlichen Erfahrung im heißen Wasser gelangen wir nach Siena und klar: die Stadt liegt auf einem Berg, wie sollte es auch anders sein…. Nachdem wir uns und unser Gepäck auf den Rädern die Steigung hochgewuchtet haben, sind wir ordentlich erledigt. Die Beine schmerzen, die Gelenke ächzen, wir sind platt! Aber Siena ist nett zu uns und wir entdecken viele spannende Dinge. An jedem Haus sind Fahnenhalterungen zu finden, die die Fahnen der jeweiligen Stadtteile (Contrade) halten, wenn das berühmte Pferderennen Palio stattfindet. Wir kommen an einem Platz vorbei, auf dem die Contrade der Panther gerade trommeln und Fahnen schwenken übt. Ein sehr ernste Angelegenheit, bei der alle Altersstufen mitmachen.

Natürlich schauen wir auch den berühmten Dom an. Mit seiner Streifenoptik sieht der Glockenturm ein wenig wie ein Sträfling aus. Kirchen sind überhaupt verrückt und spannend. Wir finden immer wieder Dinge, mit denen wir nicht rechnen und die uns erstaunen und lachen lassen. Z.B. sind die Reliquien der heiligen Katharina von Siena in der Basilika in Siena: ihr Kopf und ein Finger (warum nur ein Finger?) wurden drei Jahre nach ihrem Tod in ihre Geburtsstadt gebracht. Der Rest von ihr ist in Rom begraben: kirchlich abgesegnete Leichenfledderei! Auch so manche Darstellung von Heiligen in den Kirchen ist recht drastisch.

2 Kommentare zu „Italien 7

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