Irland 2

Vor allem hat uns Irland wegen seiner berühmten Musik angelockt. Die wollen wir finden und erleben, doch so ganz einfach ist das nicht, denn nicht an jedem Tag wird überall 24 Stunden lang Musik gemacht. Aber hier sind viele Menschen unterwegs, die, ebenso wie wir, gerne Musik machen und so kommt es, dass wir auf einem Campingplatz Pad und seine Frau kennenlernen. Wir spielen ein bisschen zusammen und sie versorgen uns mit Noten und hilfreichen Websites. Auf einem anderen Campingplatz gesellt sich Ad aus den Niederlanden mit seiner Geige zu uns. Er ist irischer Musikexperte und schon viele Jahre hier unterwegs. Auch er hat einen reichen Liederfundus, den er gerne mit uns teilt. In der Küche des Platzes entsteht so spontan eine Session. Die anderen Besucher freuen sich und feuern uns an.

Regen und Sonne und Wind und alles gleichzeitig gehören zu Irland dazu. Vier Jahreszeiten innerhalb eines Tages zu erleben ist keine Seltenheit. Wir machen Bekanntschaft mit den unterschiedlichsten Regensorten und den schnellen Wechseln. Ein paar Mal versuchen wir während eines heftigen Schauers schnell unsere Regensachen anzuziehen und sind wenig erfolgreich, denn sobald wir sie anhaben ist der Regen vorbei und die Sonne heizt uns in den wasserdichten Klamotten ein (Schwitzwasser kommt ja auch nicht raus). Wir machen es dann wie die Iren: ignorieren! In drei Minuten ist alles wieder anders.

Waterford! Eine Stadt, die an der Küste liegt und in der es eine Whiskeyberennerei gibt, die uns unser Whiskey-Freund Frank empfohlen hat. Da wollen wir eine Tour mitmachen. Im Internet kann man sich rein theoretisch anmelden, aber es ist kein Platz mehr zu haben und der nächste freie Termin ist erst in 2 Wochen. Egal denken wir, erst einmal hinfahren und fragen, ob jemand abgesprungen ist und wir dafür einspringen dürfen. Wir werden sehr nett empfangen und nach einigem hin und her findet sich am nächsten Tag ein Platz für uns. Geht doch! Aber warum wird so eine Tour um 11 Uhr am Morgen angeboten?? Da die anderen Besucher nicht erscheinen, bekommen wir eine private Tour, in der wir viel über puristische Whiskyproduktion lernen. Wir sind begeistert! Zum Glück wird uns ein Teil der Proben in kleinen Flaschen mitgegeben, so dass wir einen Teil des Whiskeytastings am Abend nach dem Radfahren im Zelt machen können.

Die Iren scheinen Gebote und Verbote zu lieben, die sie dann möglichst nicht befolgen. Überall entdecken wir Schilder, die irgendetwas verbieten und bei Nichtbeachtung mit drakonischen Strafen drohen. Oder es sind Gefahrenschilder angebracht in einer Vielzahl und Häufigkeit, die an Helikoptereltern erinnert. Wer traut hier wem nicht über den Weg? Der Staat seinen BürgerInnen? Auch Verhaltensregeln werden auf allgegenwärtigen Schildern kundgetan, sind keine Schilder zur Hand werden die Botschaften auf Hauswänden und Steinen aufgemalt. Wir fühlen uns ein wenig umzingelt.

Die Insel ist ein Traum in grün. Überall herrscht diese Farbe in unendlichen Schattierungen vor. Primär auf den Wiesen und Weiden, die sich wie dicke Decken auf die Landschaft legen. Aber auch in den Bäumen und dicht verwachsenen Wäldern. Wenn wir dadurch fahren ist es vollkommen klar, dass wir uns in einem Land befinden, das von Gnomen, Zwergen und anderen unsichtbaren Wesen bevölkert wird. Die Straßen sind von Mauern eingefasst, die mit Efeu, Farnen und Gräsern überwachsen sind und so einen grünen Rahmen bilden. Grün, grün, grün. Und dann die oft sehr bunten und farbstarken Häuser. Türen und Fenster und die ganze Fassade sind nicht zurückhaltend mausgrau, sondern knallbunt, rot, blau und gelb angemalt. Und dann auch noch überall Kühe und Schafe. Mega!

Wäsche waschen müssen wir auch ab und zu. Hier gibt es einen Outdoor-Waschsalon an der Tankstelle. Etwas zugig, aber die Wäsche wird sauber und trocken!

4 Kommentare zu „Irland 2

  1. Ich bin immer wieder zutiefst beindruckt, mit welcher Regelmäßigkeit ihr eure Berichte verfasst, die darüberhinaus ein reines Lesevergnügen sind. Zur Whiskyprobe bleibt anzumerken, dass ihr im Vergleich zum hartgesottenen Iren Weicheier seid. Aber ich muss zugeben, ich würde zum Frühstück auch keinen Whisky oder auf mich bezogen auch keinen Grappa trinken.

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  2. Ihr seid ja wohl die wahren Europäer! Alle Himmelsrichtungen in Europa…
    südlichster Stiefel Italiens und jetzt noch den irischen Whisky-Norden… und das alles immer mit genug Speichen am Rad!!
    Die Iren schreiben ihre Ge- und Verbote auf tolle große, plakative Tafeln… gibt es da einen Zusammenhang mit dem Thema Whisky??
    Ihr habt hoffentlich nach der Verkostung eure Stützräder montiert!
    Feicfidh mé go luath thú

    Gefällt 1 Person

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