Frankreich 2

Immer wieder kommen wir an Stellen, an denen uns ganze Duftwolken berauschen. Flieder, Oleander, Thymian, Glyzinien …. Wir wissen gar nicht genau, was uns da alles in die Nase kommt. Das Meiste ist angenehm und zwischendurch fragen wir uns, ob extra für die Radfahrenden ein Duftweg angelegt wurde. Dem ist nicht so, das sind nur die ganz gewöhnlichen Gerüche und Düfte der Provence.

Natürlich kommen wir auch an unzähligen Weinbergen vorbei. Die liegen pittoresk in der Sonne und geben ein sehr schönes und idyllisches Bild ab. Zumindest solange, bis wir dann mit dem Arbeitsalltag am Weinberg konfrontiert werden. Da wird irgendetwas auf die Reben gespritzt und ganz harmlos scheint das nicht zu sein, denn der Fahrer des Gefährts trägt Schutzanzug und schaltet sofort die Sprühvorrichtung aus, als wir uns nähern. Nun ja, Weinbau ist eben auch ein Geschäft. Die Fahrzeuge, die im Weinbau eingesetzt werden ähneln den Kampffahrzeugen aus Star Wars. zumindest erscheint es uns so, als hätte George Lucas einige Ideen im Weinbau bekommen.

Das Wetter ist prima und nicht nur der Radweg ist gut ausgebaut, auch die Campingplätze sind es. So zelten wir wieder und freuen uns über unser tägliches Obstfrühstück und das Kochen auf dem kleinen Campingkocher.

Wenn man die Rhône Richtung Norden fährt, dann kommt man an Arles vorbei. Das ist einigen bekannt, weil Vincent Van Gogh und Paul Gaugin hier einige Zeit gelebt und gemalt haben. Die Brücke, die auf diversen Bildern von Van Gogh zu sehen ist, steht heute noch. Wir fahren daran vorbei und es fühlt sich an wie eine kleine Zeitreise. Ob vor vielen Jahren, als hier gemalt wurde auch die Dorfjugend ins Wasser sprang? Uns gefällt das jedenfalls besser als die alte Brücke, und die finden wir schon ziemlich gut.

Etwas weiter kommen wir zur nächsten berühmten Brücke: der Brücke von Avignon. Das Verrückte daran ist, dass es streng genommen keine Brücke mehr ist, sondern nur noch ein Stumpf. Man kommt nicht ans andere Ufer, sondern kann in die Mitte der Rhône fallen. Jedenfalls dann, wenn man den Eintritt berappt, um auf eine halbe Brücke zu gehen. Das machen wir nicht, wir investieren unser Geld lieber in Eis und Kaffee (das wundert wahrscheinlich Keinen mehr). Als ehemalige Papststadt hat Avignon auch einiges an Kunstschätzen, Palästen und Sakralkunst zu bieten. Wir sind noch zu gesättigt von Stadt- und Kunstschätzen, deshalb bleibt es beim Kaffee und Avignon beeindruckt uns nur mit seiner schönen Kulisse.

Lyon ist der nächste große Stadtstopp für uns. Hier bleiben wir einen ganzen Tag, um einen kleinen Einblick in die Stadt zu bekommen. Wir kennen Lyon nur von früheren Autobahndurchfahrten, da die Autobahn direkt am Fluss entlang direkt durch die Stadt führt, was für die Menschen, die hier wohnen, ziemlich blöd sein muss. Aber es muss doch noch mehr geben… . Wir erleben eine Stadt, in der es sehr viele Räder und Radwege gibt. Das beeindruckt uns am allermeisten. Breite Radstraßen, die gut ausgeschildert sind und Autofahrer, die entspannt auf Räder reagieren. Was bei uns die Schuhgeschäfte, scheinen hier die Radläden zu sein. Es gibt eine Menge und wir haben keine Schwierigkeiten eine Werkstatt zu finden, die mal eben die Schaltung von Bens Rad wieder richtig einstellt. Bei einer Free-walking-Tour erfahren wir mehr über die Stadt, bekommen Tipps für Bars und Restaurants und lernen Andi und Carina kennen, die ebenfalls mit dem Rad unterwegs sind. Wir genießen gemeinsam Gaumenfreuden des Markts auf der Flussmauer.

Aus Lyon kommt der Übervater der französischen Küche: Paul Bocuse. Die Markthallen tragen seinen Namen und vom innen sieht es auch nicht so aus, wie wir das von einer normalen Markthalle erwartet haben. Es gibt edle Stände, alles ist wunderschön ausgestellt und angerichtet. Es sieht eher so aus, als sollten wir ein paar Juwelen kaufen und nicht gerade Käse.

Frankreich 1

Wir nehmen den Zug von Italien entlang der Küste nach Marseille. Es ist voll! Sitzplätze gibt es auch nicht mehr. Gut, dass Ben immer gewappnet ist und seinen eigenen Sitzplatz stets mit sich führt. Im Zug stehen die Menschen dicht an dicht, außerhalb des Zuges machen es die Häuser genauso. Ab und zu können wir einen Blick auf die Küste, das Meer oder einen Berg erhaschen. Ansonsten sehen wir nur Häuser und die Menschen um uns herum. Das ist also die viel berühmte Côte d‘Azur?

In Marseille angekommen, ist der erste Eindruck genauso: alles ist voll, ein Häusermeer. Der Bahnhof in Marseille liegt erhöht, weshalb man, wenn man ankommt, einen tollen Blick über die Stadt hat, direkt auf den Dom. Aber lange hält uns die Aussicht nicht, wir schmeißen uns auf die Räder und in den Verkehrswahnsinn. Ruppig ist es, laut und rücksichtslos. Jeder versucht noch schnell die beste Lücke für sich zu erwischen, das Gedränge ist groß und gefährlich. Wir sehen zu, dass wir schnell hier wegkommen.

Wir sind in Frankreich! Alles ist wieder mal neu und anders: das Brot und der Kaffee schmecken anders, wie man in den Bars und Cafés bestellt und bezahlt ist anders und natürlich ist die Sprache anders. Mit unserem Italienisch ist jetzt Schluß! Ganz schnell kramen wir unsere Französischbrocken hervor und bekommen einen babylonischen Knoten im Hirn. Es gibt noch immer keine Zimtschnecken, aber dafür andere Köstlichkeiten durch die wir uns in der nächsten Zeit durchprobieren werden.

Von Marseille aus machen wir aus auf den Weg zur Mündung der Rhône ins Mittelmeer. Das ist bei Port-Saint-Louis-de-Rhône der Fall. Zugleich ist das aber auch schon die Carmargue und dort gibt es bekanntlich Wildpferde. Selbst auf dem Campingplatz laufen die Pferde wild herum. Allerdings sind es in diesem Fall ausgebüxte Pferde und sie werden schnell wieder eingefangen…

Und dann geht es los: wir fahren die Rhône entlang, von der Mündung am Mittelmeer hinauf, Richtung Norden. Wir sind im Radtourismus angekommen: die Radwege sind ausgeschildert (und zwar sichtbar an den richtigen Stellen), es sind sehr wenig Autos auf den Abschnitten unterwegs, die Wege sind gut gepflegt. Die Sonne scheint und wir haben Rückenwind (ja, ja, dafür kann der Radweg nichts, das ist klar….) Nach den vielen Irrungen und Wirrungen, die wir mit der Navigation bereits hatten: Wegen, die im Nichts enden, Schlaglöchern, Rumpelwegen, biestigen Anstiegen aus dem Nichts heraus, etc. genießen wir dieses Rundumsorglospaket gerade ganz besonders. Naja, ein paar lustige Hindernisse gibt es immer noch, aber die können wir locker meistern.

Meist sind die Strecken autofrei, oder zumindest nur sehr wenig befahren. Wir werden an schönen Orten vorbeigeleitet und über spannende Brücken geführt. Vorbei an Weinfeldern, Auen, riesigen Bäumen, immer wieder spannend.

Da der Radweg so gut ausgebaut, beschildert ist und zudem auch noch flach ist, verwundert es wenig, dass er von vielen Radreisenden befahren wird. An jedem Café, an dem wir halten, sind meist schon andere RadfahrerInnen und man kann sich über das woher und wohin austauschen. Kathrin nennt es das „Treffen der Ortliebtaschen“, die Taschenmarke, mit der auch wir unterwegs sind und die auch von vielen anderen Radlern geschätzt wird.

Italien 8

Auf unserem Weg kommen wir an einem „Laden“ vorbei, der Gartensachen verkauft: Gitter, Steinportale, Wasserbecken, Tische und Bänke und vieles mehr. Die Dinge sind alt und gebraucht, das heißt, sie sehen so aus als kämen sie direkt aus dem alten Weingut um die Ecke. Wir geraten ins Schwärmen und träumen gotische Portale und schmiedeeiserne Gitter in unseren Garten hinein.

Von „den Berg rauf ächzen und bremsend runter schleichen“ haben wir genug! Wir wollen nach Frankreich und dort an der Rhone entlang fahren. Ein Flussradweg!! Da sind nicht ganz so viele Berge zu erwarten. (Jedenfalls nicht auf dem ersten Stück in Frankreich) Also machen wir uns auf und fahren aus Siena raus, da geht es ja erstmal den Berg runter, denn die Stadt ist ja oben! Und tatsächlich wird dieser Teil der Toskana immer flacher. Je weiter wir nach Norden kommen um so mehr Radinfrastruktur gibt es. Nach den vielen Rumpelstrecken können wir einen angelegten Radweg mit guter Beschilderung ganz besonders genießen.

In Pisa stiegen wir in den Zug, der uns bis nach Marseille bringt. Raus aus Italien. Wir hatten bei unserer ursprünglichen Tourenplanung nicht vor, nach Italien zu fahren und nun waren wir mehr als vier Monate dort und können uns sogar (rudimentär) verständlich machen. Wir sind sehr glücklich erstaunt über das, was so passiert, wenn man Pläne macht, die dann nicht klappen.

Italien 7

Kathy fliegt zurück nach Kanada, Anna nach Malaysia und wir radeln Richtung Norden in das Gebiet der Vulkanseen. Die Vulkane sind schon seit laaaaanger Zeit erloschen, aber die Krater, die sie hinterlassen haben, sind mit Wasser vollgelaufen und nun ziemlich runde Seen. Was einen ehemaligen Vulkan auszeichnet ist mitunter, dass er ein Berg ist. Für uns bedeutet dies, dass wir, um zu dem See zu kommen, erst einen Berg/Kraterrand hinaufradeln und dann, oben angekommen, auf der anderen Seite wieder hinterrollen. Wir bremsen, bevor wir im Wasser landen. So erleben wir den Lago di Vico und den Lago di Bolsena. Wir fahren auch durch endlos erscheinende Haselnusshaine, was bei dem Nutellakonsum, den wir hier erleben, auch notwendig erscheint.

Wir fahren zum Teil auf der Via Francigena. Dies ist ein Wander- und ehemaliger Pilgerweg, der von Canterbury bis nach Rom führt. Uns kommen viele Wanderer und Radfahrer entgegen, die sich auf dem Weg nach Rom befinden. Allerorten treffen wir auf Hinweis- und Wegschilder. So werden wir durch die sanften und grünen Hügel der Toskana geleitet, überall sehen wir die typischen Zypressen, Weinberge und die auf den Bergen liegenden Dörfer und Anwesen. Wir stellen fest, dass die „sanften Hügel“ der Toskana überhaupt nicht sanft, sondern sehr herausfordernd daherkommen. Steigungen von 15% sind nicht selten, sie machen nicht nur keinen Spaß, sie tun auch weh! Irgendwo lesen wir, dass die Strecke zwischen Rom und Siena eine Fahrradherausforderung ist. Stimmt, das finden wir auch. Gut, dass wir nach Bagno San Filippo fahren.

Bagno San Filippo ist ein winziger Ort, der (natürlich) auf einem Berg liegt. Dort sprudeln ein paar heiße Thermalquellen und man kann in dem bis zu 52 C heißen Wasser liegen und sich Muskeln und Knochen erwärmen lassen. Es gibt hier in der Gegend mehrere von diesen heißen Quellen und manche sind frei zugänglich. Wir sitzen sehr entspannt in einem der heißen Becken unter freiem Himmel. Total irre: ein Pool mit heißem Wasser und Bergpanorama. Das ganze kostet keinen Cent und wir sinken wohlig erwärmt und entspannt danach in unser Bett.

Nach der herrlichen Erfahrung im heißen Wasser gelangen wir nach Siena und klar: die Stadt liegt auf einem Berg, wie sollte es auch anders sein…. Nachdem wir uns und unser Gepäck auf den Rädern die Steigung hochgewuchtet haben, sind wir ordentlich erledigt. Die Beine schmerzen, die Gelenke ächzen, wir sind platt! Aber Siena ist nett zu uns und wir entdecken viele spannende Dinge. An jedem Haus sind Fahnenhalterungen zu finden, die die Fahnen der jeweiligen Stadtteile (Contrade) halten, wenn das berühmte Pferderennen Palio stattfindet. Wir kommen an einem Platz vorbei, auf dem die Contrade der Panther gerade trommeln und Fahnen schwenken übt. Ein sehr ernste Angelegenheit, bei der alle Altersstufen mitmachen.

Natürlich schauen wir auch den berühmten Dom an. Mit seiner Streifenoptik sieht der Glockenturm ein wenig wie ein Sträfling aus. Kirchen sind überhaupt verrückt und spannend. Wir finden immer wieder Dinge, mit denen wir nicht rechnen und die uns erstaunen und lachen lassen. Z.B. sind die Reliquien der heiligen Katharina von Siena in der Basilika in Siena: ihr Kopf und ein Finger (warum nur ein Finger?) wurden drei Jahre nach ihrem Tod in ihre Geburtsstadt gebracht. Der Rest von ihr ist in Rom begraben: kirchlich abgesegnete Leichenfledderei! Auch so manche Darstellung von Heiligen in den Kirchen ist recht drastisch.

Italien Rom

Wir fahren von Civitavecchia aus über den Lago di Bracciano nach Rom. Irgendwie haben wir erwartet, dass die ewige Stadt von überall weithin sichtbar ist und mit dem üblichen Hochhausdschungel auf sich aufmerksam macht. Dem ist nicht so. Wir fahren durch grüne Felder und Wiesen, von einer großen Stadt in der Nähe ist Nichts zu sehen und zu spüren. Irgendwann sind wir nicht so sicher wo es langgeht, da kommt ein Reiter und weist uns den Weg. Ob wir nach Rom wollen, fragt er mit Blick auf die dicken Räder. Dann weist er den Trampelpfad entlang und versichert uns, dass wir da entlang in Rom ankommen.

Tatsächlich kommen wir in Rom an und treffen uns mit Kathy und Anna. Kathy ist aus Kanada gekommen und trifft sich in Europa mit ihrer Freundin Anna, die aus Malaysia angereist ist. Zu viert verbringen wir die Tage in Rom.

Rom ist viel entspannter als wir gedacht hatten. Es gibt kaum Hochhäuser und so fällt Licht und Sonne in die Straßen. Allerdings ist Rom natürlich auch ein Touristenmagnet und so ist es an den vielen Attraktionen und Hauptsehenswürdigkeiten entsprechend voll. In den Petersdom gehen wir gar nicht erst rein, weil die Schlange dafür einmal um den Petersplatz reicht. Die Sixtinische Kapelle kann ohnehin nur mit Ticket besucht werden, das man vorher buchen muss und so ist es auch mit vielen anderen Museen und Kirchen.

Wir lassen uns treiben und suchen Stadtviertel, die nicht so voll sind. Wir landen in Ostiense, einem ehemaligen Arbeiterviertel und schlendern durch die Straßen und freuen uns über die kleinen Läden, die es hier gibt. In einem alten Kraftwerk werden römische Skulpturen ausgestellt, die zum Teil beim Bau der Insustrieanlagen dort gefunden wurden. Die Mischung ist faszinierend, die alten, schwarzen Kraftwerksmaschinen mit den marmornen Skulpturen davor erinnern uns an die Orte der Industriekultur im Ruhrgebiet, wo ja ebenfalls neue Verwendungen für die alten Fabriken gefunden werden müssen.

Wir treffen uns auch mit Frank, einem unserer Mitschüler aus dem Italienischkurs in Siracusa. Er ist Amerikaner und arbeitet in Rom. Mit ihm und seiner Frau verbringen wir einen tollen Abend mit Apperitivo, Pizza und Eis.

Ein weiteres Museum, das man noch einfach so, spontan und ohne Voranmeldung besuchen kann ist das Maxxi. In einem Gebäude der Architektin Zaha Hadid werden moderne Kunst und Architektur präsentiert. Das Gebäude an sich ist schon beeindruckend, verschachtelt wirkende Treppen und Gänge, die aber gleichzeitig viel Luft und Raum lassen. Eine der Ausstellungen befasst sich mit Architektinnen und den Belangen von Frauen und wie, bzw. ob sie im öffentlichen Raum Beachtung finden. Finden wir total spannend, denn, obwohl wir von uns denken, dass wir nicht ganz unreflektiert durch die Welt stolpern, lernen wir Dinge, die wir vorher so nicht auf dem Schirm hatten, wie etwa die mangelnde Präsenz von öffentlichen Toiletten und wie sie insbesondere auf die Belange von Frauen (nicht) eingerichtet sind.

Rom wäre nicht komplett, wenn wir uns nicht auch mit der Vespa befasst hätten. Wir mieten zwar keine, um damit durch die Straßen zu fegen, aber im Vespa-Museum schauen wir uns ein paar alte Schätzchen an. Das Vespa-Museum ist hauptsächlich ein Verleih von Vespen und Rädern. Im Keller des Gebäudes sind ein paar alte Modelle ausgestellt. Im Netz findet Ben eine Revision, in der sich jemand beschwert, dass es kein Museum sei, sondern eine private Sammlung. Das finden wir witzig, sind doch viele Museen private Sammlungen im Ursprung gewesen.

Wir verlassen Rom und radeln…. Ja, wohin nun eigentlich? Am Tiberradweg entlang wollen wir aus der Stadt rausfahren, Richtung Norden. Allerdings kann man den RADweg in der Stadt nur über Treppen erreichen. Rom ist voller Wunder!

Sardische Fundstücke

In Pittulongu haben wir eine Unterkunft gebucht, da wilder Regen und Wind angekündigt sind. Die Unterkunft ist wunderhübsch und liegt malerisch auf einem Berg. Von dort aus können wir die Wolken und den Regen aufziehen sehen. Die Vermieterin ist herzallerliebst und sehr um uns besorgt. Als sie mitbekommt, dass wir noch einkaufen wollen, bietet sie uns an, das zu übernehmen, oder gleich für uns ein Risotto zuzubereiten. Das nehmen wir dankend an. Zur vereinbarten Zeit kommt die gesamte Familie und bringt das umfangreiche Nachtmahl mit Risotto, Brot, Wein, Obst und Nachtisch. Zum Dank spielen wir der Familie ein paar Liedchen vor. Das wiederholen wir auf Nachfrage am Morgen noch mal, denn am Abend hat es mit der Aufnahme nicht so ganz geklappt….

Dieses Monument haben wir in einer kleinen Stadt gesehen. In den kleineren Städten und Dörfern finden wir diesen Universaltext häufig. Das finden wir sehr effizient, denn sowohl in Bezug auf vergangene Kriege sowie auf kommende wird für immer an alle gedacht. Und ein wenig bitter ist es auch.

Wir haben auf unserer Reise durch Italien schon so viele Krippen gesehen. Bislang meist in Kirchen und auf den Märkten, wo sie verkauft werden. Bei einer Wanderung auf Sardinien finden wir eine Steinkrippe am Wegesrand.

Sardinien steht Sizilien, was die Köstlichkeiten angeh, in nix nach. Auch hier gibt es überall die leckersten Dolci. Wer soll das alles essen? Das Brot, das nicht mehr verkauft wurde, wird jedenfalls verfüttert. So denken wir jedenfalls, als wir einen Brottransporter auf die Schafweide rollen sehen.

An unserem letzten Tag auf der Insel wollen wir noch einen Strandtag machen. Das Wetter hat andere Pläne mit uns, es ist verhangen und windig. Nun gut, dann ziehen wir uns warm an und legen uns auf die Wiese.

Wir verlassen Sardinien und fahren mit der Fähre nach Civitavecchia. Das Schiff heißt „Wonderwoman“. An Bord gibt es die Gotham Bar und Batman ist mit an Bord. Da kann nix mehr schief gehen, unsere Überfahrt ist sicher.

Sardinien 4

Irgendwie hatten wir gedacht, dass es im Süden Europas auch im Winter und Frühling warm ist. So wie wir uns das gewünscht hatten, war es bislang nicht. Es gab warme und sonnige Tage, aber schnell war da ein kühles Lüftchen, das sich mitunter zum kühlen Stürmchen auswuchs. Aber nun endlich gibt es einige Tage in denen man – in einer windgeschützten Ecke – im Sand am Strand liegen kann. Sogar ins Wasser kann man gehen, muss man aber nicht.

Und da es nun wärmer wird, sind auch die Nächte nicht mehr so kalt und wir können unsere Zeltsaison einläuten. Wir freuen uns sehr darauf: ob wir das noch hinkriegen? Alles kein Problem, die Handgriffe sitzen, das Zelt steht und fröhlich schlagen wir uns die doch noch mitunter kalten Nächte um die Ohren.

Viel wurde uns von der Costa Smeralda und ihren blauen und türkisen Buchten mit den weißen Stränden vorgeschwärmt. Da sind wir nun und finden die Strände und Buchten wirklich sehenswert. Der Rest haut uns nicht so um, es sind entlang der Küste jede Menge Ferienresorts, die eben in der Saison bewohnt werden, sonst nicht. Zugegebenen: hier sehen diese Feriensiedlungen um einiges schicker aus als so manche Feriensiedlungen auf Sizilien. Die Straßen sind akkurat asphaltiert und kein Blättchen ist darauf zu finden, die Rasenflächen sind grün, ausreichend gewässert und englisch gestutzt, die Häuser sind sauber und ordentlich aneinandergereiht, allerorten gibt es Hinweis- und Verwarnschilder, wie man sich am Strand zu verhalten hat. (z.B. wird man angehalten, eine Matte unter sein Strandlaken zu legen!) Aber es bleiben Siedlungen, die nur dann zum Leben erwachen, wenn die Sonnenhungrigen hier im Sommer einfallen. Im High-Society-Hot-Spot der Costa Smeralda, dem „Ort“ Porto Cervo ist auch noch nichts los. Ein paar dicke Yachten dümpeln herum, sie sind so dick, dass Kathrin sie erst für Fähren hält. Aber noch sind die Läden geschlossen, Prada, Gucci und Co machen eben auch erst auf, wenn das Geld kommt. Der Espresso kostet aber trotzdem schon mal 3€. Dass wir auf dem Gebiet der Reichen und Schönen unterwegs sind, merken wir auch an den Autos (Porsche und Konsorten überholen uns häufiger) und an den Werbetafeln entlang des Weges: Es wird nicht für den nächsten Supermarkt Werbung gemacht, sondern für das Auktionshaus Christie‘s, eine private Security- Firma, weltweit agierend Immobilienunternehmen, ein Nachtclub von Briatoni und andere Dinge, von denen wir keine Ahnung haben.

Im Gebüsch finden wir eine wilde Schildkröte, die gibt es hier ab und an zu sehen.

Hier in der Ecke der Insel gibt es wild aussehende Felsen. Sie sind auf merkwürdige Art rund und durchlöchert, mit wilden Zacken und Formen. Ein ganz berühmter Felsen sieht ein wenig aus wie ein Elefant. In anderen sehen wir Frösche und Gesichter. Es wirkt fast so, als hätten Riesenkinder mit Knete gespielt, oder Slartibartfast schon mal für Norwegen geübt.

In Cannigione stoßen wir auf ein Konzert: Open Air und alle sind da. Die Caribinieri stehen entspannt dabei und beobachten das Treiben. Alle haben gute Laune, es ist ein großes Familienfest. Es gibt Wein, Bier und Streetfood, vor den Eisdielen bilden sich lange Schlangen. Wir werden förmlich aufgesogen von der Atmosphäre, seit zwei Jahren das erste Straßenkonzert. Es fühlt sich besonders an.

Sardinien 3

Sardinien ist die Insel der Nuraghen. So heißen die Bauten der Menschen, die hier von 1600 bis 400 v. Chr. lebten. Sehr viel weiß man nicht über dieses Volk, aber ein paar eindrucksvolle Funde hat man gemacht, die sich nun in Museen über die Insel verteilt finden. Besonders die Figuren beeindrucken uns. Die Gesichter sind uniform gestaltet, mit riesigen, starren Augen, sehen sie wie starrende Geister aus, abwesend und doch present. Die Bauten, die Nuraghen, schauen wir uns weniger an. Erstens sind es alte Steine und Ruinen und davon haben wir in der letzten Zeit genug gesehen. Ob nun römisch, griechisch oder nuraghisch ist uns grad egal. Zweitens (und das ist eher der entscheidende Punkt), liegen diese Bauten meist an strategisch wichtigen Plätzen: auf Bergen! Also fahren wir an einigen Schilder vorbei, die uns auf die Existenz hinweisen und die wir aus Steigungsgründen gekonnt ignorieren.

Wir sehen auch immer wieder Flamingos, die hier in den seichten Gewässern rumstehen. Flamingos in freier Wildbahn finden wir ziemlich aufregend. Richtig toll ist es, wenn wir einen sehen, der fliegt. Das tun die Exemplare im Zoo ja nie, denn dort haben sie beschnittene Flügel.

Es ist die Karwoche und im katholischen Sardinien mit spanischen Wurzeln, werden in verschiedenen Orten Prozessionen veranstaltet. In Bosa treffen wir auf die Palmsonntagsprozession, die durch eine Straße der Altstadt führt. Viele Menschen haben kunstvoll geflochtene Palmwedel in den Händen und die voranschreitenden Männer singen. Die beiden PolizistInnen der Stadt regeln den Verkehr und begleiten die Prozession. Es liegt eine lustige Mischung aus Ehrwürdigkeit und Volksfest in der Luft.

Wir sind auf dem Weg nach Stintino. Kathrin hatte enthusiastisch angenommen, dass die 52km ein Klacks seien und wir nach wenigstens drei Stunden da sein müssten. Irgendwie sind die Höhenmeter in der Kalkulation abhanden gekommen. Sechs Stunden und 870 Höhenmeter später sind wir ziemlich platt und stolz, denn wir haben eine wunderschöne Strecke mit tollen Ausblicken und vielen Bergen zurückgelegt. Die Ferien haben begonnen und so begegnen wir auf einmal vielen Menschen, die mit dem Rad, ähnlich wie wir, die Berge raufstrampeln und oben angekommen mit einem seligen Lächeln die Aussicht genießen oder sich erst einmal hinlegen und Luft holen. Oder aber als Rennradler schnell mal eben den Berg hinaufstratzen und nebenbei noch einen kleinen Schwatz einlegen.

Wir sind dann schließlich in Stintino gelandet. Einem klitzekleinem Ort im nordwestlichsten Zipfel Sardiniens. Mehrere Menschen hatten uns von diesem ehemaligen Fischerdorf vorgeschwärmt und im Reiseführer wurde die Fähre von hier zum vorgelagerten Inselnationalpark beworben. Eine Insel mit weißen Eseln, die hier wild leben. Das wollten wir uns anschauen und so haben wir uns durch den Wind und die Berge hier oben hin gekämpft. Wie so oft ist alles anders. Der Ort ist winzig, das haben wir nicht anders erwartet. Die Fähre zu der Insel fährt aber nur im Sommer…. Na gut!Also sind wir hier, schauen uns die Gegend an und blicken vom Strand aus zu der Insel hinüber. Esel können wir von hier aus nicht sehen, dazu ist es zu weit weg. Aber das Wasser mit seinen Blauschattierungen finden wir super! Unsere Unterkunft ist so dermaßen gut und wir treffen hier so viele fröhliche und nette Menschen, dass wir zwei Tage verlängern. Wir kochen mit Giampiero, der uns mit Hingabe seine Heimatinsel näher bringt, trinken Wein mit Boris und Laurance aus Frankreich und plaudern mit Giorgio über Geheimplätze auf Sardinien. Tagsüber sehen wir am Strand den Kitesurfern zu. Ins Wasser wollen wir nicht: es ist kalt und der Wind bläst heftig (klar, deshalb sind ja auch die Kitesurfer hier). Mit den Tipps von Giorgio erkunden wir die Gegend und machen kleine Wanderungen.

Sardinien 2

Hannes und Kathrin gehen in Cagliari zum Bahnhof um rauszubekommen, ob es wieder Züge nach Iglesias gibt, die auch Räder mitnehmen. Siehe da, die Bauarbeiten sind beendet, die Züge fahren wieder und die freundliche Frau am Schalter sucht alle Verbindungen raus, mit denen am nächsten Tag nach Iglesias zurückgefahren werden kann.

Am nächsten Morgen verabschieden wir die Jungs, die nach Deutschland zurückfliegen und wir radeln zum Bahnhof. Am Automaten wollen wir die Tickets buchen und: es geht nicht! Alle Verbindungen mit einer Fahrradmitnahme sind gestrichen. Zum Glück stehen überaus freundliche Bahnmitarbeiterinnen herum und versuchen, mit uns das Problem zu lösen: Das Ticketsystem am Automaten erkennt nicht, wann Räder im Zug mitgenommen werden dürfen. Anscheinend erkennt dies aber auch sonst niemand, denn die Damen telefonieren hierhin und dorthin, um zu erfahren, wie das denn nun mit den Rädern ist. Am Ende dürfen wir die Räder mitnehmen, es gibt kein Abteil und wir pressen sie wieder einmal in eine klitzekleine Ecke, müssen dafür aber auch nicht bezahlen. Dann gleiten wir durch die Landschaft und können unsere Tour ab Iglesias, die Westküste entlang, fortsetzen.

Abschied

Unsere geplante Route sah vor, dass wir immer schön an der Küste entlangfahren und so die wilden Steigungen, die einen im Inland erwarten, umgehen. Leider fehlten bei dieser Planung die Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeiten. Und so kommt es, dass wir uns nun doch auf dem Weg etwas weiter in die Berge begeben und an den Steigungen abmühen. Insgesamt bekommen wir das gut hin, solange es nicht zu steil bergauf geht. Bei mehr als 13% wird es aber doch zu heftig mit dem Gepäck und den nicht vorhandenen kleinen Gängen. Da hilft dann nur noch Schieben. Das ist keine Freude, denn aus irgendwelchen Schwerkraftsgründen will das Rad nach hinten rollen, wo es doch nach vorne soll. Wir liegen gefühlt neben den Rädern fast auf der Straße, um sie mit all unserem Gewicht und unserer Kraft bergauf zu stemmen. Aber irgendwann ist jeder Berg mal zu Ende (gut, wenn der Berg zu Ende ist, bevor wir es sind) und wir stehen oben und genießen die Ausblicke, die sich uns eröffnen. Dann folgt die Abfahrt, es wird kalt im Wind und damit es nicht zu schnell wird und wir in der Leitplanke landen, muss ordentlich gebremst werden. Klingt so, als wären wir nie zufrieden, das stimmt aber nicht! Zugegeben, wir genießen nicht jeden Moment und jeden Meter, aber 99% sind tipptopp!

In Fluminimaggiore, einem kleinen Ort, den man kaum auf der Landkarte findet, der aber einen langen und klangvollen Namen hat, übernachten wir bei Rosa. Rosa ist eine aufmerksame Gastgeberin und ausgezeichnete Backkünstlerin. Sie bemerkt, dass Ben Geburtstag hat und überreicht sechs, eigens für diesen Anlass gebackene, Mini-Muffins samt Kerze, die köstlich schmecken. Da es an Bens Geburtstag wie aus Eimern schüttet, bleiben wir einfach den ganzen Tag im Ort mit dem langen Namen und werden nicht nass!

Wir sind hin und weg von der Vielfalt der Landschaft die sich uns auf Sardinien bietet. Es gibt karge und schroffe Berge mit zerklüfteten Tälern in denen der Ginster blüht. Dann kommen wir durch zart duftende Eucalyptuswälder und durch verwunschen wirkende Wälder mit Korkeichen. Wenn die Korkeichen geschält sind sehen sie aus wie ein Pudel, der vom Hundefrisör kommt. Ungeschält sind es ehrwürdige Wesen, die sehr viel Respekt verbreiten. Dann wieder sausen wir an Stränden vorbei wo das Blau des Wasser und das Weiß des Strandes schon fast wie arrogante Angeberfarben daherkommen. Auch wenn die Luft immer wärmer wird und die Sonne immer mehr scheint, gehen wir noch immer nicht Baden: das ist KALT! Nach einem weiteren Berganstieg sausen wir in ein weites Tal, ein sehr weites Tal, eine Ebene. Hier ist alles flach und die Landwirtschaft besetzt hier jeden Meter. Staunend stellen wir fest, dass es auf der Insel auch Strecken ohne Anstieg oder Gefälle gibt. Wahrscheinlich, damit der Wind hier so richtig gut durchrauschen kann, was er auch sofort beweist!

Sardinien 1

Mit der Fähre lassen wir uns von Napoli nach Cagliari schippern. Sehr bequem: wir rollen am Abend auf die Fähre und am Morgen kommen wir in Cagliari, der größten Stadt Sardiniens, an. Als wir von der Fähre runterrollen wollen, wird uns bedeutet, dass wir nicht einfach so das Hafengelände verlassen können. Als Fahrradfahrer müssen wir, wie auch die Fußgänger, den Bus nehmen. Die Logik erschließt sich uns nicht, vielleicht, so denken wir, ist das Hafengelände so groß und unübersichtlich? Da der erste Bus mit Fußgängern voll ist, warten wir auf den nächsten. Als er ankommt, schieben wir unsere beiden Räder hinein, noch ein weiterer Fahrradfahrer ist dabei und der Bus damit voll. Dann fahren wir 120 Meter (!), steigen reichlich perplex aus, dürfen das Hafengelände verlassen und haben somit den italienischen Vorschriften Genüge getan.

Noch haben wir keine Ahnung, wie es weitergehen soll, erst mal in eine Bar für Cafè und Dolci. In der nahegelegenen Buchhandlung decken wir uns mit Karten und Reiseführer ein und beginnen zu planen. Wir haben drei Tage Zeit, dann müssen wir wieder in Cagliari sein, denn zwei unserer Kinder kommen uns mit Freunden besuchen. Wir beschließen, bis dahin in die südwestliche Ecke der Insel zu fahren. Rauf aufs Rad und raus aus der Stadt. Leider ist das nicht so leicht: es gibt Autobahnen und Schnellstraßen, die aus der Stadt hinausführen, allerdings sind diese Straßen für Autos und nicht für uns. Eine kleine Straße, die alle unsere Navigationssysteme anzeigen und die für Fahrräder geeignet ist, ist gesperrt! Ein Tor mit einer dicken Kette lässt da keine Missverständnisse aufkommen. So müssen wir für eine Strecke von 12 km einen „Umweg“ von 50 km fahren. Na toll!

Zugegeben, der erste Empfang und der erste Eindruck sind nicht so schön, aber es wird besser. Nachdem wir die Petrochemie, die im Umland der Stadt angesiedelt ist, hinter uns gelassen haben, öffnen sich grandiose Aussichten. Kleine Strände, die auch in dem nasskalten Wetter, das wir gerade haben, wunderschön wirken. Im Hintergrund die Berge, und hin und wieder blitzt dann doch die Sonne durch. Wir sehen kaum Müll herumliegen und freuen uns, denn endlich einmal können wir wieder eine richtig schöne Pause am Wegesrand machen. Einfach anhalten und die Aussicht genießen, ohne erst Berge von Müll zu umrunden und gedanklich zu ignorieren.

Drei Tage lang umrunden wir den Zipfel im Südwesten der Insel und freuen uns an den Aussichten und Stränden. Immer wieder treffen wir auf SardInnen, die uns mit Begeisterung von den Aussichten an der Küste ihrer Insel vorschwärmen. Wir finden: Recht haben sie! Es ist wunderschön, auch wenn es so kalt und windig ist, dass wir die Strände mit dicker Jacke und Mütze lieber genießen als mit Strandtuch und Badehose.

Wir landen in einem Ort namens Carbonia. Er wurde gebaut, um den Bergarbeitern in den nahegelegenen Minen eine Heimat zu geben. Das kennen wir, in unserer Heimatstadt Dortmund war das auch so und es sieht an manchen Ecken so ähnlich aus. Wir freuen uns, den alten Förderturm zu sehen und schlendern über das alte Bergwerksgelände, das sehr einladend in der Sonne daliegt. Hier, wie in Dortmund, gibt es keinen Bergbau mehr.

Auf dem Weg nach Iglesias, unserem nächsten Halt, kommen wir an großen roten Bergen vorbei, die künstlich aussehen, aber so sicher sind wir nicht. Mit der intensiven Farbe sieht das gegen den Himmel sehr imposant aus, aber was ist das? Ben findet heraus, dass es die Abraumschlacke der ehemaligen Bleimine ist. Großartig vergiftetes Zeug, das in der Gegend rumliegt und den Boden verseucht. Auf einmal ist es nicht mehr so imposant.

Nach drei Tagen wollen wir wieder nach Cagliari zurück, denn wir treffen unsere Jungs, die mit dem Flieger dorthin kommen. Gemeinsam haben wir ein verlängertes Wochenende. Wir freuen uns riesig!! Damit wir passend in Cagliari ankommen, haben wir uns das sehr schön zurecht gelegt: wir übernachten in Iglesias (Stadt an der Westseite der Insel) und nehmen von dort den Zug, quer durchs Inland zurück nach Cagliari. Es gibt eine Zugverbindung, die stündlich fährt und laut der Auskunft im Netz auch die Räder mitnimmt. Also rollen wir am Morgen ganz entspannt zum Bahnhof, um die Tickets zu kaufen. Es ist kalt, windet und hagelt und wir finden die Aussicht, mit dem Zug zu fahren, sehr verlockend. Am Bahnhof erzählt uns eine Frau, dass in dieser Woche gar keine Züge fahren, da der Bahnhof umgebaut wird! Nicht ein Zug! Nix, „Bella Sardegna“ meint die freundliche Frau, nicht ohne Ironie! Es gibt eine Busverbindung in vier Stunden, aber ob der Bus die Räder mitnimmt? Eine Auskunft kriegen wir nicht, da das Büro auf Anrufe nicht reagiert…. Was nun? Um 16:00 wollen wir in Cagliari sein. Der Hagel hat aufgehört, es ist kalt, aber die Sonne ist zu sehen und für die nächste Stunde soll es so bleiben. Regen, Hagel und Wind sollen laut Wettervorhersage erst in einer Stunde wiederkommen, dann aber immerhin von hinten. Okay, wir haben Räder, also schwingen wir uns drauf und sausen los. Einmal quer durch die Insel genießen wir die Aussicht, immer wieder schauen wir uns um. Wer ist schneller, wir oder das Wetter? Hinter uns schieben sich dicke Wolken zusammen und es donnert. Das Wetter ist schneller, Hagel und Regen holen uns ein, aber eben auch ein ordentlicher Wind, der uns schiebt. Gibt es eine Anschubenergie durch auftreffende Hagelkörner? Wir schaffen es und kommen froh und munter, ein wenig kalt und nass, in der Wohnung in Cagliari an.

Jetzt freuen wir uns auf das Eintreffen der Ragazzi. 4 Jungs mit Hunger, da fangen wir besser schnell mit dem Kochen an. Wir gehen mit Lust zum Einkauf und schleppen große Mengen an. Das ist mal was anderes als sonst, wo wir immer auf Gewicht und Platz achten müssen. Sechs, statt der sonst üblichen einen Zwiebel! Wir geraten ein wenig in einen Kaufrausch.