
Wir sind jetzt bereits seit mehr als drei Wochen unterwegs. Es fühlt sich an, als wären wir schon viel länger „on the road“. Wahrscheinlich, weil es so viele neue Eindrücke und Dinge gibt, die wir erleben und organisieren müssen. Jeder Tag fühlt sich neu an, auch wenn es häufig die gleichen Fragen sind, die wir uns stellen: Wo fahren wir heute hin? Gibt es einen Campingplatz oder wo können wir schlafen? Müssen wir noch einkaufen und wenn ja: wo? Wie wird das Wetter, ist alles am Rad gut verstaut? Haben wir nichts vergessen?
Aber es stellt sich auch Routine ein und wir entwickeln kleine Gewohnheiten, die im großen unbekannten Tag kleine Sicherheitsinseln sind. Das geht los mit dem Frühstück: dazu muss man erst mal aus dem Zelt krabbeln (vorher haben wir uns mit akrobatischen Schlangenmenschenbewegungen in Hemd und Hose gewunden) um dann den Kocher aufzustellen, Wasser zu kochen und Tee zuzubereiten. Das Frühstück besteht meist aus Banane und Käsebrot mit Cocktailtomaten. Wir haben ein Brot gefunden, dass ein wenig an Pfannkuchen erinnert wegen des Geschmacks und der Form. Weil wir kein Finnisch können, wissen wir nicht, ob es vielleicht nochmal getoastet werden sollte. Egal, es schmeckt und vor allen Dingen hat es eine handliche Größe, mit der es gut in der Tasche verschwinden kann. Ben isst gerne noch einen Joghurt und Kathrin ein Vili. Vili ist ein Milchprodukt, dass ein wenig nach Kefir schmeckt und eine Konsistenz wie Schleim hat. Ja, das ist merkwürdig!!
Wenn Frühstück und Körperpflege erledigt sind, packen wir alle Taschen zusammen und verstauen alles auf den Rädern. Das geht inzwischen schwuppdiwupp. Derweil trocknet das Zelt (wenn das Wetter es zulässt) und wird als letztes eingepackt und los geht es. Ach ja, wo fahren wir heute hin?
Wir sind mit den finnischen Namen komplett überfordert. Die Anhäufung von Vokalen und Umlauten hintereinander können wir uns nicht merken und auch nicht verständlich aussprechen. Wenn wir einem Finnen/einer Finnin sagen wo wir hinfahren, versteht er/sie erst mal nix. Wird der Name der Ortschaft dann fachkundig ausgesprochen hat der Klang nur sehr wenig Ähnlichkeit mit dem, was wir da akustisch produziert haben. Aber auf den Karten können wir uns einigermaßen orientieren und dass es hier nicht so viele Straßen und Abzweigungen gibt, erleichtert die Orientierung erheblich.
Dann fahren wir so vor uns hin und hängen unseren Gedanken nach. Anfänglich haben wir uns noch auf jedes Rentier aufmerksam gemacht, jetzt steht halt wieder eins rum, wir gewöhnen uns daran. Zwischendurch machen wir Pausen. Am liebsten in einem Café. Wobei das Wort Café sicherlich falsche Assoziationen weckt. Die Infrastruktur hier ist sehr dünn. Das bedeutet, das meist nur alle 60 – 100 km ein Laden auftaucht. Da gibt es dann aber ALLES. Und einen Kaffee auch. Manchmal mit einem Sitzbereich, manchmal als Pumpkanne und Pappbecher zum Mitnehmen. Und es gibt fast nur Filterkaffee, den aber großzügig. Oft ist es gestattet sich noch einen „Refill“ zu nehmen.
Finden wir keinen Ort, der uns Kaffee und Korvapusti anbieten will, suchen wir uns einen Platz auf freier Strecke und kochen den Kaffee selbst. Dazu vertilgen wir Schokolade, Weingummi, Kekse, Apfel und Nüsse. Frisch gestärkt fahren wir weiter und machen uns dann irgendwann auf die Suche nach einem Nachtlager. Das gilt natürlich alles bei leidlich trockenem Wetter. Regnet es Hunde und Katzen sieht die Welt ein wenig anders aus, das konntet ihr in unserem Blogbeitrag „Schietwetter“ ein wenig mitverfolgen.
Haben wir ein passendes Plätzchen gefunden, wird das Zelt wieder aufgestellt, wir kochen etwas und dann plumpsen wir meist ganz schön erledigt in die Schlafsäcke. Wir lesen uns noch etwas aus der Kalevala, dem finnischen Nationalepos in 50 Gesängen vor, wobei Ben dann gerne schon mal einschläft.
Manchmal sind wir auch in Hütten, oder mieten uns in einem Haus ein. Dann genießen wir Betten mit Bettdecken und fließendes Wasser aus der Leitung. Heute (9.8.21) übernachten wir in einer Schutzhütte, da gibt es von all den Annehmlichkeiten nix, dafür aber einen Feuerplatz. Das Feuer wärmt uns sehr schön und wir riechen wie ein Stück Holzkohle.


Schutzhütte bei Nurmiranta (Kuhmo)



















































































